Fabergé fertigte zum Osterfest des Jahres 1891 ein Ei mit dem Modell des Kreuzers "Pamjat Asowa". Das Ei misst knapp neun Zentimeter Länge. - © The Moscow Kremlin State Historical and Cultural Museum and Heritage Site
Fabergé fertigte zum Osterfest des Jahres 1891 ein Ei mit dem Modell des Kreuzers "Pamjat Asowa". Das Ei misst knapp neun Zentimeter Länge. - © The Moscow Kremlin State Historical and Cultural Museum and Heritage Site

Es ist die dritte russisch-österreichische Kooperation in Sachen kultureller Austausch von Beispielen imperialer Hofkunst. 1991 war das Gold aus dem Kreml Museum in Wien, 2005 kam es zum Gegenbesuch; und nun, zum 525. Jahrestag erster diplomatischer Kontakte zwischen den beiden Städten, ist neben dem Kreml Museum auch das Moskauer Fersman Mineralogische Museum im Kunsthistorischen Museum mit dabei. Nur dadurch können drei der 42 erhaltenen imperialen Ostereier der Firma Fabergé präsentiert werden, aber auch wertvolle Schmuckstücke der legendären Firma. Die ergänzenden Steinschnittarbeiten sind mit dem zu vergleichen, was die älteren, aber ähnlich strukturierten Bestände von Schatz- und Kunstkammer hier zu bieten haben.

Das Ei und die Politik

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Die Ergänzungsschau kommt rechtzeitig im Jahr nach der Wiedereröffnung der Kunstkammer und bietet eine zeitliche Fortsetzung ins 19. Jahrhundert, denn Peter Carl Fabergé übernahm 1872 die Firma und wurde zum Hoflieferanten. Das blieb er bis ins Revolutionsjahr 1917. Ein letztes, unvollendet gebliebenes Ei aus blauem Glas und Diamanten auf Bergkristallwolken stellt nicht nur die Sternenkonstellation des Zarewitsch dar, sondern markiert auch das Ende einer Ära in ganz Europa.

Nicht weniger politisch ist auch der Krönungsbaldachin des letzten Zaren, der das zentral platzierte Fabergé-Ei von 1906 mit der Darstellung des Kremls samt Krönungskathedrale kombiniert. Zar Nikolaus II. schenkte es seiner Frau zum Osterfest 1906. Mit einem goldenen Schlüssel aufgezogen, erklingen aus dem Spielwerk zwei Osterhymnen. Damit gibt es den Vergleich dieser Preziosen zu den manieristischen Automaten Kaiser Rudolfs II.

Weg vom einfachen Juwelier wagte sich Fabergé mit den weltbekannten Ostereiern in die Erzeugung von "objets de fantaisie", Kleinskulpturen ohne Funktion, aber voller kostbarer Überraschungen. Er ließ sich von barocken Edelsteinsträußen und japanischen Netsuke inspirieren; auch die kunstvoll in Flaschen verfrachteten Segelschiffe scheinen Vorbilder gewesen zu sein - wie am Osterei mit dem Kreuzer "Pamjat Asowa" im Inneren sichtbar. Die Technikbegeisterung des Industriezeitalters spiegelt sich in dem imperialen Ei von Ostern 1900 mit dem Modell der sibirischen Eisenbahn im Bauch - auch sie kann einen Meter fahren.

Spannend ist nicht nur der Einfallsreichtum in der Umbruchszeit vom Historismus zum Art Nouveau und Art Decó, was an Gefäßen, deren Henkel und Tabatieren deutlich wird. Selbst das antike Versprechen, die Kunstfrüchte seien so echt, dass man hineinbeißen möchte, ist virulent, und die Bezüge zur Weltausstellung 1873 in Wien und 1900 in Paris sind interessant: Da war jenes Ei kombiniert mit einem echten Bahnwaggon, in dem man Tee trinken und in bewegten Panoramen Sibirien erkunden konnte.

Die Illusionskunst auf höchstem Niveau betraf nur zehn Stücke, und nur fünf waren mit technischen Raffinessen ausgestattet; dass davon drei in Wien sind, ist der Ostertrumpf der Schau. Dazu gibt es hier einen anonymen Vorläufer von Fabergé-Eiern, fünfteilig und von etwa 1820.

Die Moskauer Steinschnittwerke gehen bis zu Peter den Großen zurück und die Schmuckstücke Fabergés haben sich in einem Versteck eines ehemaligen Direktors der Firma erhalten. Sie tauchten 1990 beim Umbau eines Hauses in Moskau wieder auf, ansonsten sind alle wertvollen Stücke, in ihre Einzelteile zerlegt, neu verarbeitet worden.