Tanz der Hände: Hedy Pfundmayr mit Elektramaske von Richard Teschner, 1930 fotografiert von Rudolf Koppitz. - © Ph. Bonartes
Tanz der Hände: Hedy Pfundmayr mit Elektramaske von Richard Teschner, 1930 fotografiert von Rudolf Koppitz. - © Ph. Bonartes

Ihre Schicksale verliefen unterschiedlich, doch für den modernen Tanz trugen Tilly (Ethel) Losch (1903-1975) und Hedy (Hedwig) Pfundmayr (1899-1965) Wesentliches bei. Sie entwickelten um 1927 als Ballerinen der Wiener Staatsoper für die Salzburger Festspiele, angeregt von der berühmten Skandaltruppe der Ballets Russes, nach der Musik von Maurice Ravel und Jean Sibelius eine Art Markenzeichen: den Tanz der Hände. Felix Salten sah darin atemberaubende Verrücktheit, Andacht, geheimnisvolle Laster und schmerzliche Sehnsucht, was auch allgemein eine Faszination auslöste.

Damit inspirierten beide berühmte Fotografinnen wie Trude Fleischmann oder Dora Kallmus zu effektvollen Aufnahmen. Zum Ausdruckstanz kam die erotische Artikulation der damals in Wien und Berlin erstmals selbstbewusst auftretenden Lesbenszene, die sich über Handzeichen des Begehrens verständigte. In den wilden 1920er Jahren voller Emanzipation und ersten Choreografien für den Ausdruck großer Gefühle, inspirierten sich Losch und Pfundmayr als Tänzerinnenpaar gegenseitig zum hocherotischen Ballett der Hände als Seelenspiegel.

Bizarre Elemente


In vielen Publikationen haben sich die damals betriebene Charakterforschung sowie Beiträge für die obskure Handlesekunst erhalten. Die neue Verstärkung der Artikulationsweisen durch die Hände wurden in einem breiten Spektrum von Rudolf Koppitz, Franz Xaver Setzer und anonymen Studios fotografiert.

Der Foto-Nachlass von Pfundmayr befindet sich seit 2013 im Besitz des Wiener Photoinstituts Bonartes und wird nun für eine Schau zu diesem faszinierenden Thema mit Leihgaben aus dem Theatermuseum Wien und privaten Archiven, teils aus Amerika, ergänzt.

Besonders ist dabei neben den Abzügen der kurze Stummfilm "Dance of Hands" von Norman Bel Geddes zu erwähnen, der 1928 nach Loschs Abschied aus Österreich entstanden ist. Sie war ihrem Mentor Max Reinhardt nach London gefolgt und heiratete 1931 den Millionär Edward James, der ein Förderer der Surrealisten war und auch ihre Tanzkarriere unterstützte; später schaffte sie es bis Hollywood und arbeitete auch mit Bert Brecht und Kurt Weill. Kallmus fotografierte sie 1950 und nach einer letzten Kooperation mit Modefotograf Cecil Beaton bekam sie 1975 einen Nachruf in der "New York Times".

1931 gründete Pfundmayr, die während des Nationalsozialismus große Erfolge feierte, einen Hotelier heiratete und für die Rosenhügel Studios choreografierte, ein eigenes Ballett sowie eine Tanz- und Mannequinschule in Wien, die ihr Schüler Jury Tagunoff weiterführte. Das Bildmotiv der Hände beanspruchten beide weiter neben schmachtenden Exaltiertheiten für Schlangen- und Hexentänze, zuweilen verstärkten Masken des Künstlers Richard Teschner jene bizarren psychischen Ausdruckselemente.

Eine Publikation von Monika Faber, Magdalena Vukovic, Andrea Amort und Ines Rieder versucht dem überaus spannenden Zeitphänomen und den gemeinsamen Auftritten der beiden Tänzerinnen bis zum Boxkampf bei einem "Circusfest" auch wissenschaftlich näherzurücken.

Ausstellung

Tanz der Hände.

Tilly Losch und Hedy

Pfundmayr in Fotografien

1920 - 1935

Photoinstitut Bonartes

1010 Wien, Seilerstätte 22

bis 13. März