Josef Mikls "Figur mit Stütze" (1986/87). - © Stefan Fiedler, Salon Iris, Wien
Josef Mikls "Figur mit Stütze" (1986/87). - © Stefan Fiedler, Salon Iris, Wien

Die Stellungnahme des Sammlers Karlheinz Essl zum 15-Jahre-Jubiläum seines Museums in Klosterneuburg ist ein klares Bekenntnis zur österreichischen Gegenwartskunst. Mit Beispielen allerdings, die ihren Aktionsradius deutlich erweitern konnten - entweder weltweit wie Friedensreich Hundertwasser oder zumindest über ganz Europa wie die Gruppe "Wirklichkeiten". Das Problem ist wie immer der Platz, auch wenn die sieben Galerien die attraktivsten Säle des Hauses sind.

Persönlich ist die Auswahl auch in der Konfrontation von Personen, aber auch in dem, was ausgelassen wird. Das beginnt mit dem frühen Werk Hundertwassers in Gegenüberstellung zu Max Weiler, mit Arbeiten wie einer "vegetativen" Spiralform oder "Schokoladespinat" von 1958 - hier trifft japanische Philosophie auf den Traum von China in Tiroler Bergen, eine mystische Angelegenheit, aber überraschend frisch. Danach zwei Künstler, die kurz nach dem Krieg auch als Paar in Paris waren: Arnulf Rainer und Maria Lassnig. Nur am Beginn gab es ähnliche Ideen, da nannte Rainer sich noch Trr, danach gehen sie getrennte Wege, auch in der Kunst.

Gewagte Konfrontation


In der dritten Galerie stoßen die Maler der Galerie nächst St. Stephan, Markus Prachensky, Josef Mikl und Wolfgang Hollegha, ohne große Gegenwehr auf die jüngeren, auch nicht mehr "wilden" Hubert Scheibl und Herbert Brandl. Zum Ausgleich nach so viel Malerei ein plastisches Universum mit Franz West und Erwin Wurm: Beide haben den alten Skulpturbegriff auch in Fotografie und Collage erweitert, beide lösen durch ihre Ironie ein Lächeln aus. Für die ganze Gruppe der "Wirklichkeiten", mit denen die Sammelgeschichte des Ehepaars Essl begann, war in der großen Galerie entweder kein Platz, oder Franz Ringel, Kurt Kocherscheidt und Martha Jungwirth sind die Favoriten; jedoch fehlen Peter Pongratz und der verstorbene Robert Zeppel-Sperl doch sehr, auch wenn die Wände, so klar zugeteilt, die drei Positionen differenzieren.

Gewagt ist die Konfrontation von Valie Export und Günter Brus, obwohl natürlich beide im Wiener Aktionismus eine tragende Rolle spielen. Export hat sich jedoch immer von der Machohaltung der Kerngruppe distanziert und sich klar in eine feministische Schiene des internationalen Aktionismus eingeordnet. Was damals als Differenzierung wichtig war, ist heute aus internationaler Warte zur Sichteinheit geworden. Feine Unterschiede bleiben freilich, die etwa aus Exports sensiblen Filmen des "Expanded Cinema" gut ablesbar sind.

Nitschs Relikte


Die schmale Galerie sieben ist voll gestellt mit Hermann Nitschs Relikten zu seinem Orgien-Mysterientheater, aber auch den Fotos zu frühen Aktionen 1963 und 1965. Schüttbilder, Altäre, Malhemden und Videos zur 115. Aktion im Essl Museum und der 135. in Kuba machen den Ort zum Schaulager. Ist es vielleicht gewollt, dass die Besucher sich nahe konfrontieren müssen mit Menstruationsbindenbildern und der Musik, die Sohn Karlheinz Essl für den Aktionisten komponiert hat? Die Saalbeschreibung verrät, dass die Installation durch Nitsch selbst vorgenommen wurde. Der Künstler als Kurator, heute häufiger, ist zuweilen auch der Bock als Gärtner.

Zu der Ausstellung des Hausherren kommt übrigens in zwei Wochen das "Statement" von Agnes Essl in den Hallen nebenan: "die andere sicht" wird sich mit den Werken der Künstlerinnen auseinandersetzen, auch wenn Lassnig, Jungwirth und Export schon gut vertreten sind. Frauen sind auch im Essl Museum deutlich am Vormarsch.