Das Politische als unpolitisch verstehen


Die Revolution vorweg nahm dagegen Vasily Tsagolov in seinem bereits 2012 geschaffenen Werkzyklus "Ghosts of Revolution", aus dem eine großformatige Arbeit ins Künstlerhaus gefunden hat. Aus den aufgetürmten Autoreifen von Myroslav Vaydas steigt Rauch auf. Seine Installation zählt zu den wenigen Werken in dieser Ausstellung, die eine allgemeine Symbolkraft besitzen. Auch er schuf diese Arbeit schon vor dem Ausbruch der Unruhen.

Ihren Titel verdankt die Schau einem Slogan, welcher der Plakatkunst der Facebook-Gemeinschaft namens Strike-Poster entstammt, die von Beginn der Proteste an aktiv war und nicht zuletzt dafür verantwortlich zeichnete, dass das Konterfei des damals amtierenden Präsidenten Viktor Janukowitsch mit roter Clownnase im World Wide Web kursierte. "I Am a Drop in The Ocean" lautet er, was so viel wie "Ein Tropfen auf dem heißen Stein bedeutet".

Liest man den Titel als programmatisch für die Schau, so ergibt sich allerdings ein recht pessimistisches Fazit: Die hier ausgestellte Kunst will sich offensichtlich nicht als wirkungsmächtiges Instrument des kritischen Widerstands begreifen.

Auch das Kuratorenduo Konstantin Akinsha und Alisa Lozhkina will die Ausstellung dezidiert nicht als politisch verstanden wissen. So mag es kaum verwundern, dass einige der hier ausgestellten Arbeiten mehr eine Widerspiegelung gegebener Sachverhalte sind, als dass sie einen Symbolwert erzeugten, der über das Faktische hinausdenken ließe. Womit nicht zuletzt wieder jene leidige Frage gestellt werden muss, die man eigentlich vermeiden wollte: Was will, kann und soll Kunst, die gesellschaftspolitisch wirksam sein will?