Albin Egger-Lienz zeigt den Krieg in "Finale" ohne jegliche Heroisierung. - © Sammlung Leopold II
Albin Egger-Lienz zeigt den Krieg in "Finale" ohne jegliche Heroisierung. - © Sammlung Leopold II

Mit dem "Totentanz" in vierter Version von 1915 und dem "Finale", von Albin Egger-Lienz 1918 in erdigen Farben wie ein Fresko oder österliches Fastentuch gemalt, besitzt das Leopold Museum zwei Gemälde, die jene "Urkatastrophe" des Ersten Weltkrieges besonders eindringlich beschreiben. Daher widmen sich drei Kuratoren - Elisabeth Leopold, Ivan Ristivan Ristić und Stefan Kutzenberger - dem großen Projekt, die Kunst als Gegenstrategie zum Krieg in mehreren Kapiteln zu präsentieren. Die anfänglichen patriotischen Ambitionen und die um 1912/13 in der Zeitschrift "Der Ruf" noch erschallenden Vorstellungen von einer Reinigung durch den Krieg als Neuanfang waren schnell verflogen.

Ernüchterungen


Als Plakat und Katalogcover dient jener Druck für die Zeitschrift mit einem blutroten Selbstporträt Egon Schieles mit mürrischem Gesichtsausdruck. Das Rot weist auf den Essay Robert Müllers hin, der einleitend eine "Apologie des Krieges" brachte. Der erklärende Satz dabei lautet: "Der Krieg kommt aus dem Blute in die Welt"; doch das Blut strömte in anderer Form als erhofft. Auch Egger-Lienz hatte sich 1915 freiwillig gemeldet, war aber sehr bald wegen Herzbeschwerden bestrebt heimzukehren. Seine Bilder sprechen eine deutliche Sprache: Neben der kargen Farbe dominieren jene verrenkten Glieder der Toten, für die er zahlreiche Skizzen anfertigte. Zur "Chronologie des Sterbens" tritt das sture Vorwärtsschreiten der Soldaten und ihr Stürmen als gebückte, eigentlich tierisch anmutende Masse.

Bei Schiele ist die pazifistische Gesinnung eigentlich noch deutlicher, weil schriftlich festgelegt. Er malte Kriegsgefangene und Freiwillige der eigenen Armee, sympathisierte mit den Feinden und bedauerte jede Stunde, die der Krieg anhielt. Er arbeitete wild weiter und war 1918 endlich als Künstler erfolgreich, als er kurz nach seiner Frau Edith an der spanischen Grippe starb, die sich im Nachkriegselend in Wien rasch ausbreitete. Vor seinem eigenen Tod zeichnete er noch den verstorbenen Künstlerfreund Gustav Klimt auf dem Totenbett.

Zahlreiche schriftliche Dokumente unterstreichen seine Ablehnung, Schiele jammert aber auch ganz banal über "die schwersten Tage meines Lebens" während der Ausbildung und über die schlechten sanitären Verhältnisse, während sich Anton Kolig über die künstlerische Unbelecktheit der Vorgesetzten beschwerte. Dabei blieben Schiele, anders als Kokoschka, Fronterlebnis und Verwundung erspart.

Trauma und Hoffnung


Zeugnis von Kokoschkas Trauma ist das "Selbstbildnis, eine Hand ans Gesicht gelegt" von 1918. Kolig schrieb 1916 "Ich male in großer Not"; die Ergebnisse waren Porträts von Offizieren und Gefangenen sowie die Dokumentation einer "Feldoperation" - alles andere als Propagandakunst. Herbert Boeckl porträtierte seine Kameraden 1917, malte aber, ähnlich Schiele, auch allegorisch überhöhte Akte.

Das eigentliche Thema der Schau ist denn auch das "Trotzdem Kunst!" und die vielfältigen ästhetischen Ergebnisse und Veränderungen im Stil der Künstler, sowie eine wichtige österreichische Ausstellung in Stockholm 1917, in der Klimts "Tod und Leben" sowie Schieles "Entschwebung", beide 1915 vollendet, die neuesten Tendenzen in der Avantgardekunst zeigten. Schiele veränderte sich von geometrischen Formen, die vor allem in seinem Krumauer "Häuserbogen" sichtbar sind und in den Allegorien anhalten hin zu klassischen Tendenzen seiner plastischeren Mädchenakte von 1918. Gegen das "Mordgeschrei der Hölle" tritt vor allem Koloman Moser mit seinem "Liebespaar" und "Venus in der Grotte" an; "Der Wanderer" von 1914 zeigt sich allerdings als messianischer Mann - typisch für diese Jahre. Koligs Bildnis "Bertha Zuckerkandl" begleitet die Hoffnung, durch deren Einfluss vom Kriegsdienst befreit zu werden. Einige Gegenwartskünstler bereichern das Anti-Kriegsthema auch um die jüngsten Ereignisse im Balkankrieg.