Der Tod rotiert. Im Grab? Nein, in Damien Hirsts "Spin Machine". - © Galerie Suppan/D. Hirst, DACS 2014
Der Tod rotiert. Im Grab? Nein, in Damien Hirsts "Spin Machine". - © Galerie Suppan/D. Hirst, DACS 2014

Weltreise in den Alltag

(cai) Die Bilder mit dem Oben nach unten aufzuhängen, das kennen wir doch von irgendwoher. Richtig: vom Georg Baselitz. Der ist die Conchita Wurst der Malerei. (Gewissermaßen.) Denn was die Diva mit Bart grad für die Geschlechtsidentität tut (das Bild auf den Kopf stellen, konkret: das von Mann und Frau - oder das vom Travestiekünstler), das hat der Baselitz für die räumliche Orientierung getan. Und Olaf Osten (sein Name weist quasi in die Slowakei, schließlich lebt der Lübecker inzwischen in Wien) treibt das Verwirrspiel noch weiter.

Nicht nur, dass auf seinen Landkarten der Norden im Süden liegt, weil er sie um 180 Grad dreht, reisen seine alten Terminkalender auch noch ständig in die Zukunft. In die Gegenwart des Künstlers. Begleiten diesen, der zwischen Hamburg und Wien pendelt, überall hin. Sogar nach New York und auf die Rax. Oder unternimmt vielmehr der Zeichenstift eine Zeitreise in die Vergangenheit, wenn er 2013 ein Paket "aufgibt" und ins Jahr 2007 schickt (in den Kalender von damals kritzelt)?

Osten macht seine Schnappschüsse eben nicht mit dem Handy, er notiert sie mit bemerkenswerter Ausdauer in seine zu Skizzenbüchern recycelten Kalender (macht dabei das Baselitz-Manöver, hält sie verkehrt herum). Die Fülle beeindruckt. Die vielen "Proben", die er gesammelt hat. Banale Details, quirlige Szenen . . . Der macht ja schon eine Weltreise in den Alltag. Und wenn er so eine Doppelseite auf eine riesige Leinwand druckt, ist die fotorealistische Präsenz des aufgeklappten Kalenders fast überirdisch. Dagegen macht er es sich in der Serie "Fernsehen" einfach. Kleckst auf Karten aus dem Schulatlas Billiglandschaften mit Horizont in der Mitte. Ja, er macht die unnatürliche Satellitenperspektive menschlicher. Aber muss er so schmieren?

Galerie Bäckerstraße 4
Olaf Osten, bis 6. Juni
Di. - Fr.: 11 - 19 Uhr
Sa.: 11 - 17 Uhr

Und das Bild bewegt sich doch!

(cai) Stell dir vor, Damien Hirst hat eine Ausstellung und nicht einmal eine Sardine schwimmt hin. Tschuldigung: "im Öl." Tierkadaver in Formaldehyd darf man sich nämlich nicht erwarten. Höchstens zwei tote Schmetterlinge (diese schillernden Symbole der Seele), die zwischen falschen Diamanten und echt scharfen Skalpellklingen in verletzlicher Anmut auf einem glossigen Nachthimmel picken.