Bringt Farbe ins Pressefoyer: eine 16-teilige Serie von Helga Philipp. - © Parlamentsdirektion/Michael Buchner
Bringt Farbe ins Pressefoyer: eine 16-teilige Serie von Helga Philipp. - © Parlamentsdirektion/Michael Buchner

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer setzt die Idee ihres Vorgängers, ein Jahr ihr Büro und die Sitzungssäle der Ausschusslokale mit Werken der Gegenwartskunst zu verändern, mit dem Themenkreis "konkret - abstrakt" fort. Dafür wählte sie als Kurator den Direktor der Kunsthalle Krems, Hans-Peter Wipplinger, der drei Generationen von Künstlern kombiniert, die von konstruktiver Strenge neuer Geometrie bis zu den kompositorischen Freiheiten voll Rhythmus und Dynamik alle Varianten von Formfragen durchspielen.

Die nun über 100 Jahre alte Abstraktion in der Kunst als epochales Signum der Moderne verbindet sich auf besondere Weise mit dem Dekor der Räumlichkeiten des 19. Jahrhunderts, idealerweise an mancher Stelle sogar noch direkt in Korrespondenz mit Theophil Hansens klassizistischer Grundausstattung von Wänden, Türen und Fenstern.

Bis zum Augentrug


Eine der älteren Positionen im Pressefoyer, am Gang und im Büro der Präsidentin ist Helga Philipp (1939-2002) mit ihrer Poesie der Logik in Serien bunter Siebdrucke; die klaren Farben und die strenge Geometrie von Rechteck und Dreieck sind wie bei ihrem Schüler Heimo Zobernig, Jahrgang 1958, oder dem zwei Jahre älteren Ingo Nussbaumer Konfrontation und Dialog. Nick Oberthaler, Jahrgang 1981, baut mit spezieller Oberflächengestaltung eine spannende Korrespondenz zur Umgebung auf. Bei Heinrich Dunst suchen die extra konzipierten Werke in Vermessung wie Farbgebung direkte Bezüge zu den Räumen und ihrer Einrichtung bis in die grünen Schonbezüge auf dem Tisch des Sitzungssaals. Freier sind Suse Krawagnas Linienkonstrukte in zartem Blau aus dem Jahr 2013 mit ihrer eigenen Ordnung der Wahrnehmung von Farbräumen, die stark auf die ästhetische Empfindung einwirken. Das gilt auch für Tillman Kaisers Spiel mit dem Objektcharakter der Werke, das zwischen Sichtbarmachen und Unsichtbarkeit oszilliert, oder für die auffälligen abstrakten Module von Christian Hutzinger.

Ernst Caramelle, Martina Steckholzer, Svenja Deininger und Esther Stocker greifen mit optischen Elementen ihrer geometrischen Kompositionen in die gewohnte Raumsicht bis zum Augentrug ein, dies gilt auch für die Bildreliefs von Florian Schmidt und die Stoffstücke auf Malerei bei Alexander Wolff.