Franz Barwig der Ältere hat sich vor allem mit seinen Tierplastiken im Bewusstsein verankert: Neben Panthern erscheinen auch Bären als bevorzugte Motive seiner Arbeiten. - © Simon Klein
Franz Barwig der Ältere hat sich vor allem mit seinen Tierplastiken im Bewusstsein verankert: Neben Panthern erscheinen auch Bären als bevorzugte Motive seiner Arbeiten. - © Simon Klein

Seine Spezialität waren fauchende, kämpfende und fletschende Panther und Bären, aber auch Jünglinge, deren Stil vom modernen Vorläufer des Art Déco in einen neuen Klassizismus wechselten. Sein Talent als Holzschnitzer brachte Franz Barwig den Älteren (1868-1931) aus einer mährischen Bauernfamilie 1888 an die Kunstgewerbeschule in Wien, an der er später, von 1906 bis 1922, selbst Holzbildhauerei lehren sollte. Wie seinem Lehrer Hermann Klotz, so war auch Barwig die vorbereitende Zeichnung wichtiger als das Tonmodell, und er schnitzte meist völlig frei aus dem Block, weshalb der deutschnationale Männerbund, dem er die letzten Jahre seines Lebens angehörte, ihn auch den "Michel-Angelo der Uhu-Schnitzer" nannte.

Ein Hauch von Renaissance


Einer seiner Jünglinge von 1922/23 aus vergoldetem Holz erinnert in seiner Haltung an antike Apollostatuen oder den Wagenlenker von Delphi. Er empfängt nun die Besucher in der Sala Terrena und leitet zu Barwigs am Kunstmarkt nach wie vor beliebten Tierplastiken über, deren Herleitung von altägyptischen und Renaissance-Vorbildern nach stereometrischen Anfängen auffallend ist. Das gilt vor allem für seinen "Sitzenden Bären" von 1912/13 aus schwarzem Granit, der, wie die bekannten "Raufenden Sundapanther" von 1906/07 aus poliertem Ebenholz, im Besitz des Belvedere ist und nun, mit interessanten Leihgaben und Zeichnungen bereichert, eine Ausstellungs-Menagerie bilden.

1969 hat Gerbert Frodl eine erste Personale betreut, nun widmet sich Markus Fellinger dem Spezialisten, der als Person im Hagen- und im Werkbund wichtige war und dem von Kritiker Ludwig Hevesi "Holzhumor" nachgesagt wurde. Dieser Humor bezieht sich wohl auch auf seine frühen Wiener Typen, die dem Leben in der Vorstadt abgeschaut sind, vielleicht auch auf seine Faune, die Marabus oder sein Reformspielzeug.

Barwig sah auf seiner Parisreise neben Tierplastiken von Antoine-Louis Barye Werke von Auguste Rodin, jedoch zeigt seine Alternative zu dessen "Denker" bereits die Ablehnung des Impressionismus. In Opposition zum Expressionismus folgte er dann der Re-lief-Theorie Adolf Hildebrands und Conrad Fiedlers in Sachen plastisches Gestalten, Wichtigkeit des Materialumgangs und Überhöhung des schöpferischen Gedankens, wie an seinem "Auferstandenen" zu erkennen ist. Edmund Hellmer sowie dessen Schüler August Gaul und Fritz Behn sind seine Realismusbezüge, natürlich auch die Malerei Hans von Marées, dem er in Rom begegnete.

Mädchen und Panther


Von den Straßenfiguren, lausenden Affen und fauchenden Panthern setzen sich die nackten Jünglinge sichtbar ab 1924, wie auch das "Sitzende Mädchen" von 1929, in Richtung Georg Kolbes "zeitloser" Neoklassik ab. 1922 verließ Barwig in vehementer Ablehnung der Moderne die Kunstgewerbeschule, zwei Jahre später nahm er Abschied vom Hagenbund - beide Male warf er Kollegen "Kulturbolschewismus" vor. 1931 nahm er sich nach einem lukrativen Auftrag in Florida in Wien das Leben. Ein tragischer Weg eines bis 1914 Erfolgreichen, den auch der Katalog mit wichtigen Texten nachzeichnet.

Ausstellung

Franz Barwig der Ältere

Markus Fellinger (Kurator)

Oberes Belvedere

Bis 7. September