Bei Fuß! Puppe mit echtem Kopf vom Hund. ("Little Darling" von Deborah Sengl.) - © Galerie Hilger
Bei Fuß! Puppe mit echtem Kopf vom Hund. ("Little Darling" von Deborah Sengl.) - © Galerie Hilger

Me, My Selfie

And I

(cai) Sonst bin ich ja immer ganz gut im Rätsellösen. (2, 3, 5, 7, 11, 13 - Wie lautet die nächste Zahl?) Aber den Intelligenztest der Fotogalerie hab ich wohl nicht bestanden. Das heurige Schwerpunktthema: "Biografie." Teil eins (läuft gerade): "ICH." Wie werden also die beiden Fortsetzungen heißen? "ES" und "ÜBER-ICH"? Falsch: "WIR" und "DU". (Genauso logisch wäre "LIEBE" und "DICH".)

Den Anfang macht also das Ego. Sieben bereiten ihre eigene Vita auf, einer versetzt sich lieber in den "Elephant Man" hinein. Phillip Warnell umkreist mit der Filmkamera stumm ein Kirchenmodell, das Joseph Merrick, der "Elefantenmensch", gebastelt hat, studiert das Exponat wie das Freakshow-Publikum dereinst dessen Erzeuger. Der eingeblendete Text: aus Merricks Autobiografie. Stimmungsvoll und geschickt gemacht.

Kindheitsbewältigung: Krisztina Fazekas-Kielbassa notiert die Misshandlungen durch ihre Rabenmutter, streicht alles durch und hinterlässt die Zettel an den einstigen Tatorten (Therapie oder Kunst oder beides?). Überhaupt wird meist mehr Wert auf das interessante Konzept gelegt als aufs "gute Bild". Eine Ausnahme: Ana Casas Broda. Die bietet dem Auge was. Vielleicht mehr, als es sehen will. Präsentiert in "Kinderwunsch" ihren von den Schwangerschaften geschundenen Körper (Ecce Mater!) und lässt sich in unbefangener Nacktheit von ihren zwei Buben waschen oder spielerisch verarzten (mit Klopapier einbandagieren). Heftig. Und aus H.H. Capors Geburtstagsritual, seit 1991 nicht einfach jedes Jahr einer Kerze mehr das Licht auszublasen, sondern die zwölf Bilder eines Rollfilms zu belichten, kann man natürlich nicht ableiten, er feiere seit 23 Jahren seinen zwölften Geburtstag. (Übrigens: 17. Die Primzahl, die auf 13 folgt.)

Fotogalerie Wien

(Währinger Straße 59)

"Biografie I - Ich", bis 7. Juni

Di - Fr.: 14 - 19 Uhr

Sa.: 10 - 14 Uhr

Kinder bitte

anleinen!

(cai) Was steht da auf dem Taferl? "Bitte die Kunstwerke nicht berühren! Hunde nicht gestattet!" Das ist nicht der Titel der Ausstellung, das sind die Verhaltensregeln für die Galeriebesucher. Die lebensgroßen Menschen mit animalischer Persönlichkeit sind halt so real und präsent (Deborah Sengl arbeitet mit einem Tierpräparator zusammen), ein Hund könnte die als Rivalen oder Spielgefährten betrachten. Oder dem Schminktisch ans Bein pinkeln.

Ich hätte in der Galerie Hilger ja selber fast, nein, nicht Möbel markiert, doch das kleine Mäderl gestreichelt ("Braaaves Kindl!"), das einen mit diesem treuherzigen Hundeblick ansieht. (Na ja, es hat einen echten Hundekopf.) Und das Frauerl (die Mama) leint den "Little Darling" sogar an. Antiautoritäre Erziehung ist das keine. Macht da jemand Werbung für die Einführung des Leinenzwangs für Kinder? Nein, es geht um Machtverhältnisse. Sehr anschaulich.

Noch drastischer ist das Rollenspiel in "And Cut!". Ein Schauspieler wechselt vorm Spiegel radikal die Maske. Reißt sich einfach den Kopf ab (den von einem Kampfvierbeiner). Oder setzt er ihn sich grad auf und das harmlose Schaf hat er vorher gemimt? Wer jetzt glaubt, er müsse als Mutprobe seinen Finger in den grausigen Spalt zwischen Rumpf und abgetrenntem Haupt halten: Es passiert nix. Es gibt keinen Schnappmechanismus. (Hab’s ausprobiert.)

Theatralisch sind die tadellosen Bilder der Serie "Über-Ich" aber auch. (Die Figuren treten vor undurchdringlichem Schwarz auf.) Und witzig. (Wie die unaufdringlicheren Zeichnungen.) Die Pointe hockt den Tiermenschen auf der Schulter. Als Alter-Ego. Gut, die Nonne, die der feschen Katz ein schlechtes Gewissen einflüstert, ist weniger originell. Dafür hat der schäferhündische Polizist einen inneren Anarcho. Einen Hasen, der die Häschenschule schwänzt? Das Ich ist der Fressfeind vom Über-Ich: Was der Freud wohl dazu gemeint hätte! Deborah Sengl sagt’s eben nicht durch die Blume (höchstens durch die, die dem Hasen hinten wächst), sie sagt es durch die Fauna. Da Mensch is a Sau? Er ist ein ganzer Zoo!

Galerie Ernst Hilger

(Dorotheergasse 5)

Deborah Sengl, bis 21. Juni

Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr