Josef Dabernig bleibt skeptisch in allen Richtungen: "Ohne Titel" (2007). - © mumok
Josef Dabernig bleibt skeptisch in allen Richtungen: "Ohne Titel" (2007). - © mumok

Die letzten Windungen der Destruktion als Kunstphilosophie machen jede orthogonale Ordnung zur Schnecke, und der Museumsraum ist offen für neue Fragen. Der Widerspruch gegen die von ihm selbst geschaffene strenge Ordnungsstruktur beschäftigt Josef Dabernig mit seiner Ausstellung "Rock the Void" in drei Ebenen des Mumok. Ironie macht sich breit - vor allem mit der schon auf der Skulptur-Biennale von Shenzhen 2012 gezeigten und hier zu "A Study of Relationship between Cube, Cube and Cube" umgetauften minimalistischen offenen Holzkuben. Beschwert mit Sandsäcken, passen sie in der Größe genau in den Kubus von Heimo Zobernig auf Ebene 2, erschweren aber das Passieren des kunstvoll überbauten Stiegenhauses enorm. Nachdenken macht sich breit, zusätzlich, weil Dabernig seit 1996 von strenger Konzeptkunst hinter die Kamera gewechselt hat und für Filme wie "Hypercrisis" 2011 mit dem ersten Preis der Festspiele in Venedig ausgezeichnet wurde.

Darm und Serie


Windungen, nicht nur in seiner Rolle als Künstler und Regisseur, Schauspieler, Möbelbauer und Archivar, interessierten ihn schon in den siebziger Jahren, und so ist die hier vorhandene erste Vitrinen-Arbeit von 1977 auch die Abschrift eines Buches von Franz X. Mayr zu "Schönheit und Verdauung oder die Verjüngung des Menschen durch sachgemäße Wartung des Darms" von 1920. Der 21-Jährige hat die penible Abschrift im Heftformat, auf einem Kiesel balancierend, in vielen Sitzungen vollzogen. Hier kommt Christian Morgensterns "ein wiesel saß auf einem kiesel inmitten bachgeriesel...", aber auch die in Dosen geschweißte Künstlerscheiße von Piero Manzoni sofort ins Gedächtnis. Was bei Dabernig aber 1989 bis 1996 folgte, waren die Aluraster, ein nicht gerade Kunstmarkt affines Montagesystem, das sich neben Vitrinen und eingebauten Hausarchitekturen für seine Filme als wichtiges Display der Schau in seriellen Rhythmen an den Wänden verteilt.

In den Vitrinenreihen liegen seine autobiografischen Statistiken zum Zigaretten- und Benzinkonsum, Karten für Fußballspiele, aber auch die Fotoserien vieler Fußballstadien aus ganz Europa, die erst formale Gesichtspunkte und auf den zweiten Blick unkommentiert politische Bezüge herstellen: In Santiago de Chile war das Stadion 1973 der Ort für die Gefangenen des Diktators Augusto Pinochet, in einem anderen zeigen sich Spuren des Kommunismus, dem nächsten Bezüge des Spielerclubs zu Bergwerken.

Die Architekturkuben in den zwei Hauptebenen erinnern in ihrer Verschachtelung an die Schönheit eines weiß gekalkten Souk in marokkanischen oder arabischen Städten. Statt der normalen Probleme mit dem Einbau von Black-Boxes für Filme in Ausstellungsräumen kommt gar nicht zufällig diese Alternative zum White Cube der Moderne.

Sammler der Details


Dabernig beachtet die klassische Moderne nicht nur in den Oststaaten genau, sammelt liebevoll Details, egal ob von Häusern, Möbeln, Tapeten oder seinen "Diven", Autos der Marke Lancia, Fiat und Alfa. Es gibt jedoch auch polygonales antikes Mauerwerk in süditalienischer Landschaft, alte Hotels und, in "River Plate", Weltkriegsrelikte von Eisen in Beton im Fluss unter einer oberitalienischen Autobahnbrücke.

Ausschnitte von Körpern vollziehen die immergleichen Handlungen, üben sich in Fitnessexkursen und stillen Affekten ohne Ankunft im Ziel. Am Ende steht immer nur der Leerlauf, eine Lücke oder die Umkehr. Das Unterlaufen der eigenen Strategien, sein Arbeiten mit Familie und Freunden als Laiendarsteller und die Lenkung der Handlungen ins Absurde wie die Steigerung der Systematik ins Sinnlose, sind die großen Stärken eines Skeptikers rationaler Felder. Elitäre Kunstgeschichten straucheln und das Abweichlertum zeigt sich nicht nur in den Tonspuren seiner Filme, sondern schon in den unter Zwang entstandenen Plastiken zum Diplom, die den weiten Weg des Schülers von Joannis Avramidis in die Freiheit des Kinos illustrieren.