"Wenn Du hier oben vor einer der großartigsten Kulissen stehst, hat es überhaupt keinen Sinn, direkte Abbilder zu zeigen", sagt Julia Stoff. "Es ist einfach so schön hier oben, dass man das gar nicht braucht." Die beeindruckende Kulisse sind der Großglockner und die Pasterze, auf die man von der Besucherplattform auf der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe sieht. Hier auf 2369 Metern ist die Kunstausstellung "Alpenliebe" zu sehen, die die Linzerin Julia Stoff für das Besucherzentrum kuratierte. Anlass für die Ausstellung ist der 150. Geburtstag von Richard Strauss, sie ist auch als Hommage an dessen "Alpensinfonie" gedacht - vor allem aber zeigt sie zeitgenössische Kunst rund um das Thema der Alpen.

Übersetzung der Alpensinfonie


"Meine Übersetzung der Alpensinfonie war ein emotionaler Zugang zu den Alpen. Außerdem hat mich der Alpenraum als Vielvölkerregion interessiert", erzählt Julia Stoff. Eine Ausstellung auf über 2000 Meter Höhe zu gestalten bringt einige Herausforderungen mit sich. "Die Klimabedingungen sind relativ brutal für Kunstwerke, es gibt Schwankungen von 40 Grad zwischen Sommer und Winter in den Räumen", erzählt Julia Stoff. Die Ausstellung soll für mindestens drei Jahre zu sehen sein, durch diese lange Laufzeit waren auch viele Museumsleihgaben undenkbar. "Ich habe mich daher vor allem auf Fotografie und Film konzentriert, sie sind leicht zu reproduzieren."

Auf zwei Stockwerken sind nun verschiedenste künstlerische Positionen zu sehen, die sich mit den Alpen beschäftigen. Eine Art "Alpen-Wunderkammer" führt in die Ausstellung hinein: Skurriles rund um die Bergwelt, Klischeebilder und Raritäten aus alpinen Museen hat Julia Stoff für diesen dichten Raum gesammelt und dabei auch Kurioses wie indische Bonbons namens "Alpenliebe" oder Matterhorn-Keksformen entdeckt.

In diesem alpinen Setzkasten gibt es aber auch die ersten künstlerischen Objekte, bronzener Kuhdung des Schweizer Künstlers Not Vital oder eine Glasphiole von Martin Walde, in der der "Duft der verblühenden Alpenrose" gefangen ist. Nach einem Foto der Hochalpenstraße von Margherita Spiluttini macht Eva Schlegel den Auftakt zur Ausstellung und zeigt Bergfotos als Negative und Positive. Danach wird ein Alpenpanorama aus dem 19. Jahrhundert einer aktuellen Arbeit gegenübergestellt: Marina Steinacker und Susanne Katharina Willand setzten Postkartenausschnitte aneinander und filmten sie in einem dramatischen Flug. "Irgendwann bricht es, wenn man merkt, dass es eigentlich Postkarten sind. Einmal sieht man eine ideale Landschaft, plötzlich das Matterhorn in einer norwegischen Landschaft", beschreibt Julia Stoff. In Biwaks werden in einem weiteren Raum Projektionen gezeigt, etwa die Biennalearbeit von Hans Schabus aus 2005 oder jene des Kanadiers Kevin Schmidt, der Lichterketten an einem verlassenen Holzhaus zu Elektrobeats pulsieren ließ.