Zündholz-"Mahnmal": der Beitrag "zu spät?" der Landschaftskunst an der Angewandten. - © Clemens Schneider
Zündholz-"Mahnmal": der Beitrag "zu spät?" der Landschaftskunst an der Angewandten. - © Clemens Schneider

Nicht nur Kunst und Wissenschaft, auch die Institute der Universität für angewandte Kunst rücken mit ihren Intentionen schon seit Jahren näher zusammen. Und so wirkt die alljährliche Leistungsschau im Erdgeschoss des Künstlerhauses nicht nur wegen der modernen Techniken, Soundinstallationen, fantasievoll konstruierten Apparaten und alternativen Fahrzeugen eher wie ein brodelndes Labor, was vielleicht auch dem bewährten Kurator Edek Bartz zu danken ist. Zur ephemeren wie erweiternden Praxis passen die performativen Beiträge vor und im Haus, die Lesungen, Animationsfilme und die Dokumentationen vieler nach außen in den Stadtraum wirkenden Projekte.

Synthetische Häute


Selbst die drei Architekturabteilungen und die Urban Strategies präsentieren vor welligem Silberparavent jede Menge teils hybrid wirkender Modelle, die der Rechtwinkeligkeit trotzen mit dynamischer Verschmelzung zur Umgebung. Eine wie neue Naturen wirkende Oberfläche aus synthetischen Häuten, ungewohnten Perspektiven und Schalentragwerken sind daran beteiligt. Dazu passen im Industrial Design variabel zu bekleidende Sitzmöbel, neue aufsteckbare Baldachine, Wände aus Glasrecycling, das erstmals aus Abfallbruchglas wieder einsetzbares innovatives Material erzeugt, das zudem unter Licht sehr ästhetische Wirkungen erzielt. Selbst fahrende Prototypen, die mit einem Biobetriebsstoff aus Algen Energie bekommen, integrieren das Sammeln und Abernten von Algen sowie eine fiktive Algenzucht im Innenhof der Angewandten.

Das Social Design punktet mit Arbeiten über üppigen Wasserverbrauch für die Erzeugung von Orangensaft. Die Ringstraße bekommt diesmal einen Blick in die Zukunft und ein Isolierzelt sowie subversive Post-Snowden-Kunstkarten wirken gegen Abhörtechniken. Im Institut für Konservierung und Restaurierung widmen sich Studierende im Teamwork mit Schönbrunn und dem MAK einem Projekt, das Herkunft und Zustand der 252 chinesischen, japanischen, sowie in Wien und Meißen hergestellten barocken Porzellanobjekten der chinesischen Säle aus dem Schloss Schönbrunn umfasst.

Auffälliges aus der Modeklasse


Der Beitrag der Landschaftskunst mit einem aus tausenden, meist angebrannten Zündhölzern bestehenden Hügel-Modell als "Mahnmal" ist so auffällig wie das blumengeschmückte Auto aus weißen Metallstangen der Modeklasse unter dem Motto "Need For Speed". Unter den Dokumentationen der Projekte 2013 im öffentlichen Raum ist der kleine Katalog zu "Transit für Karl Aspern", unter der Leitung der Gastkünstler prinzgau/podgorschek, besonders hervorzuheben, denn dabei war auch das Künstlerhaus mit seinen Skulpturen im Außenraum eingebunden. So trug der steinerne Peter Paul Rubens ein langes Seil, das die Entfernung wie Verbindung zur Seestadt Aspern vermittelte, die Diana Alfons Riedels bekam ihr rotes Plastikpendant am See, dafür bereicherten Pflanzentransporte aus Aspern um ephemere Architekturen den Karlsplatz. Eine gelungene Publikation gibt es zur derzeitigen Bespielung eines Raumes in der U1-Station Schwedenplatz durch Studierende der Transmedialen Kunst in Kooperation mit den Wiener Linien.

Malerei und den menschlichen Körper vermessende Textilobjekte, Plakate, Fotografie, die Schrift einbindet, Bücher - dabei die Zeitschrift "Jenny" des Instituts für Sprachkunst, die zur schönsten Publikation 2013 gewählt wurde - sowie Lesungen und ein Film dieser Abteilung über Aktivitäten zu Erinnern/Vergessen vor dem ehemaligen Palais Rothschild, der heutigen Arbeiterkammer, ergänzen die Vielfalt.