Brigitte Borchhardt-Birbaumer und Dieter Ronte holen in ihrer Ausstellung im Forum Frohner die Aktionistinnen ins Bewusstsein zurück: Renate Bertlmanns "Die schwangere Braut mit dem Klingelbeutel" (1978). - © Bertlmann
Brigitte Borchhardt-Birbaumer und Dieter Ronte holen in ihrer Ausstellung im Forum Frohner die Aktionistinnen ins Bewusstsein zurück: Renate Bertlmanns "Die schwangere Braut mit dem Klingelbeutel" (1978). - © Bertlmann

Es hat sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr herauskristallisiert, dass die meisten männlichen Proponenten des "Wiener Aktionismus" schon mit einer ansehnlichen Portion Machismus gesegnet waren. Ihre künstlerisch-aktionistischen Konzepte richteten sich zwar gegen die faschistischen, konservativen, antidemokratischen und intoleranten Tendenzen des in den 1960er bis in die 1970er Jahre hinein ungemein provinziellen österreichischen Staates, aber wenn es darauf ankam, auch Künstlerinnen und deren Konzepte gleichwertig miteinzubeziehen, dann war schnell mal Schluss mit Offenheit und Gleichberechtigung, und die männlichen Netzwerke und Seilschaften funktionierten wieder genauso gut wie in den Jahrhunderten zuvor. Abschreckendes Beispiel war sicherlich der bereits verstorbene Otto Muehl.

Verdrängte Frauen


Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass der internationale Ruhm, der dem "Wiener Aktionismus" und seinen Protagonisten in den vergangenen Jahrzehnten zuteil wurde, hauptsächlich den Mannsbildern zugute kam. Selbstverständlich kann VALIE EXPORT auf nationale und internationale Reputation für ihr außerordentliches Gesamtwerk und auf ihre verschiedenen Professuren an Kunsthochschulen verweisen, aber schon das beeindruckende uvre der nun endlich ins Blickfeld der internationalen Museums- und Sammlerszene und des Kunstmarkts gerückten Künstlerin Birgit Jürgenssen wurde erst nach ihrem frühen Tod 2003 entdeckt und von Kunstsammlungen, wie jener vom Verbund, aufgearbeitet.

Auch der Name Kiki Kogelnik ist einer breiteren Öffentlichkeit ein Begriff, wobei eben betont werden muss, dass ihr Frühwerk aus den 1960er und 1970er Jahren fast der Vergessenheit anheim gefallen ist. Dabei waren ihre Straßenperformances und -happenings in Wien und New York mit (Frauen-)Figuren aus Schaumgummi, die sie selbst als "feministischen Aktionismus" bezeichnet hat, in Ausdruck, Form und Dramaturgie tatsächlich avantgardistisch. Leider erinnert sich eine derzeitige Sammler- und Kuratorengeneration eher an die etwas in den Kitsch abgeglittenen, schrill-bunten Köpfe als an ihren künstlerischen Beginn. Da steht die Wiederentdeckung noch an. Wie bei anderen Künstlerinnen auch.

Spannende Positionen


Dem Kuratorenteam Brigitte Borchhardt-Birbaumer und Dieter Ronte ist es zu danken, dass sie in der übersichtlichen Ausstellung "Aktionistinnen" im Kremser Forum Frohner nicht nur an die oben erwähnten Künstlerinnen erinnern, sondern auch spannende Positionen und Konzepte von Renate Bertlmann, Linda Christanell, Rita Furrer, Ingrid Opitz und Margot Pilz endlich wieder der Öffentlichkeit zugänglich machen. Beim Rundgang erkennt der Betrachter, welche Vorreiterrolle die Künstlerinnen in ihren Positionen oftmals gehabt haben: Margot Pilz’ "Scheuchenprojekt" (1980) kann den Objekten von Sarah Lucas Pate gestanden haben, die Performance "Stadthausfrau" (1983) von Ingrid Opitz mag die israelische Künstlerin Nelly Agassi in ihrer Arbeit beeinflusst haben und Rita Furrers "Bilderschattenperformance" (1980) kann in ihrer modehaften Ästhetik als Vorläufer der aktionistischen Auftritte eines Leigh Bowery in den frühen 1990er Jahren angesehen werden. Eine sehenswerte, gut aufbereitete Ausstellung, der es hoffentlich gelingt, endlich tiefergehende Diskussionen über die "Aktionistinnen" anzuregen.

Ausstellung

Aktionistinnen

Forum Frohner Krems

Bis 24. August 2014