Auf Guido Brancusis Spuren wandelt Koenraad Dedobbeleer in "Old Sacrosand Academic (2013).
Auf Guido Brancusis Spuren wandelt Koenraad Dedobbeleer in "Old Sacrosand Academic (2013).

Der Bildhauer Constantin Brancusi (1876-1957) gehört zu den Vertretern der klassischen Moderne, die auf der Suche nach einer universalen künstlerischen Sprache waren.

Der geborene Rumäne schuf in Paris Ensembles abstrakter, kombinatorischer Plastik von bleibender Aktualität. Er testete Präsentationsformen auf nahezu gleichwertigen Sockeln im Atelier, Materialvielfalt und Oberflächenwirkung seiner auf essenzielle Grundformen basierenden Werke waren ihm wesentlich. Die Variationsreihen fotografierte er selbst. Sein wie ein Labor genütztes
Atelier vermachte er dem französischen Staat. Marcel Duchamp entwickelte 1933 in New York eine Ausstellung von Brancusis Skulpturen auf ihren variablen Sockeln nach der eigenwilligen Ateliersituation weiter - so kam es zu einem entscheidenden Einfluss auf die westliche Nachkriegsmoderne, vor allem die Minimal Art.

Erweiterter Blick


Die Ausstellung im gläsernen Raum der Kunsthalle am Karlsplatz versucht eine Fortsetzung mit den wunderbaren Fotozyklen aus dem Atelier, die das Kunsthaus Zürich borgt. Brancusi hatte von Größen wie Edward Weston und Man Ray Anleitung im Umgang mit der Kamera bekommen. Daran schließen die Fotos der New Yorker Installation und Werke internationaler Gegenwartskünstler wie Olaf Nicolai, Isa Genzken oder Josephine Meckseper an. Dabei verweisen Architekturmodelle eines Jürgen Mayer H. oder der "Chair One" von Konstantin Grcic auf den erweiterten Blick Brancusis in Sachen Architektur und Möbel.

Wenn Rudi Stanzl die "Endlose Säule" des Bildhauers im Park von Tîrgu Jiu in Rumänien von 1937/38 mit Seifen nachbaut oder Harald Jónasson aus Eimern, sie in Saâdane Afifs Fahrradstange zitiert ist oder in der Säule aus gebrauchten Wagenhebern von Sofia Hultén, wird der Kippeffekt zwischen Pop und Konsumkritik sichtbar.

Ironie und Verehrung


Das Schwanken zwischen Ironie und Verehrung ist spürbar mit "Obsolete Figure in Space" oder "Chimera" von An Te Liu aus nachgegossenen Formen von Verpackungsmaterial; aus Koenraad Dedobbeleers "Old Sacrosand Academic" kann man Nüsse entnehmen und im Naschen Mecksepers Arrangement "Tobeen" mit Spiegeln, Metall und Neonröhren mit einer schicken Garderobe assoziieren. Da würde ein Weg weiterführen, der den Hang der Moderne zu Symmetrie, Kitsch und Esoterik behandeln könnte.

Genzken kommt Brancusis Vogelskulpturen mental mit ihrer "Ellipse Nr.1" von 1976 am nächsten. Denn ihr Objekt ist ohne Sockel an die Wand gelehnt wie auch die "Endlose Säule" zwischen Erde und Himmel gespannt erscheint. Oder die rumänische Position von Anca Benera/Arnold Estefan, die das Holzschnitzen der Volkskunst und somit das fragwürdige Anknüpfen der Moderne an "Primitives" thematisiert.

Was aber diesen Beispielen heutiger kritischer postkolonialer Relektüre völlig fehlt, ist Brancusis Versuch, kosmische Vibrationen mittels Antriebsmotoren, die seine Skulpturen beweglich machten, sichtbar zu machen. Dabei würde die neue Technik so viele Ansätze bieten. Vielleicht ist aber die reduzierte Form einer Ausstellungsvariante, die ehedem in Kooperation mit der Bukarest Biennale 6 andernorts gedacht war, nun ein Torso ohne Bewegung geblieben.