Es ist verdammt schwer, sichtbar zu werden. Gerade für junge Studenten an der Akademie der Bildenden Künste, die die Chuzpe hatten, sich dem Meisterklassenprinzip zu entziehen und vor drei Jahren die Freie Klasse ins Leben gerufen haben. Seit der Gründung führt die Freie Klasse, die sowohl für Studenten als auch Nicht-Studenten offen steht, an der Universität ein Nomadenleben, entdeckt unbenützte Räume in der Akademie für sich und adaptiert diese für die Notwendigkeiten der Gruppe. Solange, bis das Rektorat erkennt, dass die Räume anderweitig zu verwenden wären, und sich die Freie Klasse wieder auf Herbergssuche befindet.

Jetzt hat die Freie Klasse, der 10 bis 15 Studentinnen und Studenten zuzurechnen sind, eine Heimstatt gefunden. Der Kunstraum Niederösterreich setzt sein engagiertes Ausstellungsformat, neuen Tendenzen bei Entwickelung und Kuratierung von Präsentationen eine Plattform zu bieten, fort und hat der Künstlergruppe ermöglicht, die Ausstellung "Dissens:Wiederholung" zu erarbeiten.

Und es steckt tatsächlich viel Arbeit dahinter, wenn ein autonomer Verband wie die Freie Klasse auf eine Institution wie den Kunstraum trifft. Da gilt es, Fragen nach der Art der Präsentation zu diskutieren: Soll es eine zusammenhängende, gemeinsam erarbeitete Position sein? Oder sollen auch Einzelpositionen möglich sein? Und natürlich: Wie geht man mit einer White-Cube-Situation generell um?

Schon der Titel der Ausstellung nimmt Reverenz auf die zahlreichen Fragen: Auf die Uneinigkeiten in Richtungsfragen und dem pragmatischen Wissen, dass die Freie Klasse Präsentationsformen in Institutionen nicht neu erfinden wird.

Kurzweilige Zwischenform


Letztendlich hat das Kollektiv eine kurzweilige Zwischenform erarbeitet: So dokumentiert Marlies Surtmann mit einer inszenierten Fotoserie das Scheitern der Kommunikation in einer Gruppe, Magdalena Fischer hat gemeinsam mit Delal Isci ein Möbel, das dem man in verschiedenen Konstellationen "besitzen" kann, mit dem sprechenden Titel "Sitzung" geschaffen. Angela Strohberger hat durch Interviews das Umfeld der Institution und der Beteiligten erforscht und zeigt kleine Objekte, die während der Gespräche Verwendung fanden, und nun im Kunstkontext zu Skulpturen werden.

Thomas Trabitsch wiederum decouvriert mit seiner Installation die kontroversen Bedeutungsebenen von "Meisterklassen", dem "Geniebegriff" und den damit verbundenen Barrieren. Mit affichierten Schlagzeilen, Texten und Zitaten von Künstlern, Philosophen, Politikern und Managern verweist Matthias Julian auf das teils widersprüchliche, teils auf sich angewiesene Verhältnis zwischen Kunst, Markt und Macht.

Alles in allem gelingt es der Freien Klasse auf der institutionellen Probebühne sehr gut, sowohl die notwendige inhaltliche Ebene der Erläuterung und Vermittlung transparent zu machen, als auch das individuell-künstlerische Moment mit starken Positionen zu unterstreichen. Für deutlichere Sichtbarkeit der kollektiven Einzelkämpfergruppe sollte mit der Ausstellung gesorgt sein.

ausstellung

Dissens:Wiederholung

Kunstraum Niederösterreich

Bis 26. Juli 2014