Hermann Painitz‘ Arbeiten regen zur Dechiffrierung an. - © Bildrecht
Hermann Painitz‘ Arbeiten regen zur Dechiffrierung an. - © Bildrecht

Hermann Painitz (Jahrgang 1938) wurde zwar immer am Rande der konstruktiven Richtung in Österreich diskutiert, er zeigt sich aber mit der Werkschau "Selbstverständlich" auch als Erbe eines Otto Neurath, der als Soziologe mit einer grafischen Bildsprache die Gesellschaft der Zwischenkriegszeit in Wien reformieren wollte. Logisches Denken in Serie teilt er mit Josef Matthias Hauers und Arnold Schönbergs Zwölftonreihen, den Sprachspielen Ludwig Wittgensteins und der Avantgardeliteratur der "Wiener Gruppe". International stellt Kuratorin Alexandra Schantl seinen "methodischen Inventionismus" mit den Konkreten in Zürich, der Informationstheorie eines Max Bense, vor allem aber den Amerikanern um "Color Field" in Beziehung, auch wenn er primär als Einzelgänger im Umfeld von Hildegard Joos, Helga Philipp, Marc Adrian oder Kurt Ingerl, aber auch den Jüngeren Heimo Zobernig, Gerwald Rockenschaub und Thomas Reinhold gesehen wird.

Painitz, der in der Avantgardegalerie nächst St. Stephan und in der Secession, deren Präsident er von 1977 bis 1983 war, mit seinen Ausstellungen Aufsehen erregte, schockte mit seinem Wunsch der "Planierung der Alpen" und der Betonierung Europas.

Belästigung durch Grünpflanzen


Er sprach von Belästigung durch Grünpflanzen, setzte aber der Ausschaltung der Natur programmiertes Chaos mit dem Prinzip mathematischen Kalküls gegenüber. Pluralismus und Offenheit waren ihm, dabei nahe dem Theoretiker der Neuen Medien, Peter Weibel, immer vorrangig. Dabei ging es um die Abkehr von Stimmung und Emotion in der Kunst, um die demokratische Beteiligung des Betrachters und das Kunstwerk als Träger einer klaren ästhetischen Information.

Die Findung eines Brotalphabets 1975, neben einer Hieroglyphen ähnlichen Sammlung aus Hämmern und seinem "Großen Alphabet" aus Astgabelungen und Kreisen, führen, nun rekonstruiert, in einen äußerst fantasievollen Sprachbildkosmos, der Kunst von der kapitalistischen Vereinnahmung lösen will und an eine Reform der Gesellschaft durch die Ästhetik glaubt. Painitz hat Verbindung zu den utopischen Architekten um Hans Hollein, zu den Formalfilmern um Kurt Kren, zur konkreten Poesie und übertrat mit Sprengung einer Büste als "Knallkunst" oder "Informationsexplosion" auch die Grenzen zum Performativen.

Insgesamt ist eine Erweiterung der Sinne sein Anliegen und seine Denkmalentwürfe zielten auf internationale Verständlichkeit von Bildzeichen. Besonders prägen sich die Farbkreise, Piktogramme wie geheimnisvolle Zeichensysteme ein, die ihre spezielle Farbigkeit haben. Da sie nicht im grellen Spektrum angesiedelt sind und das abstrakte System zur Dechiffrierung einlädt, schafft Painitz samt seinen dadaistisch anmutenden Texten ein Bannen des Blicks und ein Ankurbeln des Interesses, wobei ihm die umsichtige Präsentation Schantls und ein optimal gelungenes Katalogbuch kongenial zur Seite stehen. Es ist ihr Verdienst, diesen wichtigen Avantgardebeitrag ins Bewusstsein zurück zu bringen.

Ausstellung

Hermann Painitz. Selbstverständlich

Alexandra Schantl (Kuratorin)

Shedhalle St. Pölten

Bis 24. August