Freud und die Couch: Hans Holleins Arbeit vor Joseph Kusuths Tapete. - © Ulrich Dertschei/Belvedere, Wien
Freud und die Couch: Hans Holleins Arbeit vor Joseph Kusuths Tapete. - © Ulrich Dertschei/Belvedere, Wien

Am 23. September jährt sich der Todestag von Sigmund Freud zum 75. Mal. Die Kooperation mit dem Freudmuseum integriert den prominenten amerikanischen Konzeptkünstler Joseph Kosuth, der 1989 sein Freudprojekt mit einer Rauminstallation im Museum in der Berggasse 19 startete. Zur gleichzeitigen Festwochenausstellung "Wiener Diwan, Sigmund Freud heute" von Thomas Zaunschirm im damaligen 20er Haus wollte Kosuth nicht beitragen. Dafür bietet ihm die aktuelle Ausstellung im 21er Haus immer noch die beste Gelegenheit in Wien, auf das rege Nachleben des Entdeckers der Psychoanalyse, vor allem in der Kunst, aufmerksam zu machen. Sie wird von einer Lecture Kosuths am 19. September und einer hochkarätig besetzten Diskussion am 23. September im Kinosaal begleitet.

Kosuths wieder verwendete Wandtapete "Zero & Not" von 1989 bildet, neben einem Dokumentationsraum mit den Originalseriegrafien und einer ganzen Reihe von eigenen Werken, die formale Klammer, die aus dem ersten Stock des 21er Hauses eine besonders gelungene Einheit, ja fast ein Nest schafft. Auch wenn es einzelne Räume sind, lässt die Tapete außen den Blick kreisen. Jene Schriftzeilen, die hinter schwarzen Balken verrätselt sind, sind Zeichen für die konkret sprachbezogene Praxis Kosuths, die auch Freuds Kulturwissenschaft einbezieht. Dessen Texte über Fetische oder den alten Orient und Ägypten kommentiert er zudem in seinem Teil der "Curated Installation" und hebt sie mit Spiegel, Foto und Neon hervor.

Ein weiterer Part der Schau besteht aus der Sammlung von Gegenwartskunst, die das Wiener Freud Museum seit 1989 mit Kosuth als Berater gesammelt hat; dabei sind auch die wunderbaren Relikte von Installationen Franz Wests oder Ilya Kabakovs. Der Beitrag von Clegg & Guttmann, der sich intensiv der Bibliothek Freuds widmet, wurde um einen ganzen Raum erweitert. Das bekommt der Einheitlichkeit. Dazu sind die in der Sammlung des Hauses befindlichen Werke mit inhaltlichem Bezug auf Freud einbezogen, aber auch Leihgaben aus Galerien.

Es gibt den sichtbaren Bezug - zur berühmten Couch des Seelendoktors, die 1938 mit vielen Möbeln mit nach England ging und nun im Londoner Freudmuseum steht - Hans Hollein füllte die Leerstelle für die "Traum und Wirklichkeit"-Ausstellung 1985 mit seiner goldenen Nachbildung, Victoria Browne fotografierte kürzlich nur die Leerstelle selbst in der Berggasse. Thematisch angelehnt sind die zahlreichen Bildkommentare zu Ekel und Peinlichkeit von Mike Kelley, Paul McCarthey und Performerin Tanja Widmann, Freuds geistiger Beitrag bildet ungebrochen eine starke Triebfeder in der Kunst, auch wenn er selbst nicht einmal zum Surrealismus einen Draht hatte.

Sarah Lucas‘ Bunny oder die Würste von Damien Hirst, Marc Dions mit Pflanzen gefüllter Kinderwagen oder Albert Oehlens Grafiken mit Mutter, Vater und Schwester bedienen mehr den heutigen Seelen-Strip, der ein starkes Band unserer Kultur zu Freud darstellt. Versuchte Seelenbalancen und Körpergeheimnisse der Frau werden in den Fotografien von Cindy Sherman, Birgit Jürgenssen und Francesca Woodman so kongenial abgebildet, wie es sich Freud sicher nie hätte träumen lassen. Die Musen sind keine Patientinnen mehr: Meret Oppenheim schreibt bereits 1985 in eine Zeichnung "Ich bin ein Wickelkind, gewickelt mit eisernem Griff." Rosemarie Trockel, Linda Bilda, Theres Cassini oder Markus Schinwald lassen die Puppen tanzen oder zu ihrem Verzehr auffordern.

Mit Thomas Demand, Jürgen Teller oder der Box aus Haaren von Richard Artschwager rückt das Unheimliche in unseren Alltag, die räumliche Umordnung, die uns verwirrt, nehmen neben Kosuth Arbeiten von Constanze Ruhm mit Matthias Herrmann, Gordon Matta Clark oder Heimo Zobernig vor. Und Letztgenannter wird Freud unsichtbar wohl auch nach Venedig zur Biennale 2015 transferieren.