Das ist die Rückseite eines Gemäldes einer betenden Nonne, das van Meytens für einen Grafen angefertigt hat. - © Nationalmuseum Stockholm
Das ist die Rückseite eines Gemäldes einer betenden Nonne, das van Meytens für einen Grafen angefertigt hat. - © Nationalmuseum Stockholm

Barocke Malerei erstaunt immer wieder und das nicht nur wegen des Gegensatzes von sinnlicher Malerei und steifer Repräsentation. Im Fall des Hofmalers der Kaiserin Maria Theresia, des in Stockholm 1695 in eine holländische Familie geborenen Martin van Meytens, der zudem die wichtigsten Adeligen Wiens porträtierte, gibt es sogar eine ganz private Malweise und eine für offizielle Bestellungen. Die eine Manier ist dunkler und mit duftig lockerem Pinsel, die andere verbindet helle Farben mit glatter Oberfläche und geradezu scharfkantigen Details von Spitzen, Bordüren und Brokatverzierungen der kostbaren Gewänder.

Auch in zwei Zeichnungen tritt uns ein eigenwilliger Charakter entgegen, der verstand, seine internationale Schulung in Schweden, England, Frankreich und Deutschland gut zu vermarkten. Eigentlich wollte ihn ja der schwedische König Frederik I. als Hofmaler 1730 anzuheuern. Er hängte ihm eine hohe Auszeichnung in Form eines goldenen Medaillons an Goldkette mit seinem Porträt um den Hals, aber Meytens hatte davor 1721 bei seinem ersten Auftritt in Wien durch sein Talent überzeugt. Zudem hatte ihm Kaiser Karl VI. eine Studienreise nach Italien ermöglicht - also blieb er ab 1631 Hofmaler in Wien.

Erste Zeichen der Aufklärung


Noch auf seinem Selbstbildnis von 1740 weist er hinter seinem Redegestus auf das römische Pantheon hin: der Bildungsanspruch wird aber auch in all seinen Bildnissen von Malerkollegen oder Vertretern der Wissenschaft deutlich. Der Jurist Franz Christoph von Scheyb oder der Arzt Johann Nepomuk Reichsritter von Humbourg zeigen durch Gesten und nachdenkliche Posen auch erste Zeichen der Aufklärung.

Meytens malte Maria Theresia in allen Lebenslagen: als junge Erzherzogin, mit ständig wachsender Familie und dabei die drei verstorbenen Kinder als Engel, als Kaiserin mit Pendant ihres Gemahls Franz I. Stephan von Lothringen, und 1741 als "König" von Ungarn auf schwarzem Rappen mit ungarischer Krone und Schwert, am Krönungshügel reitend. Das kleine Format verrät wie die wunderbare Rötelzeichnung ihres Vaters, dass Meytens als Spezialist für Miniaturen begann. 1759 bekam er von der Akademie den Auftrag, ein weiteres Bildnis der Kaiserin als "König" von Ungarn zu erstellen. Es war sein "Aufnahmestück" als Rektor der Institution bis zu seinem Tod 1770 und ist heute unter dem Knie beschnitten; Kopien zeigen aber manch verlorenes Bild im Urzustand. Caspar Zumbusch verwendete die strenge Haltung für sein Denkmal auf der Ringstraße. Die Formate sind gemäß den Palästen, die sie schmückten, auch passend für das Winterpalais. Das monumentalste Format ist die nach Vorbild der kaiserlichen Familie gestaltete Familie des Grafen Nikolaus Pálffy von Erdöd unter roter Draperie. Sich in wilden Faltungen über den Figuren bauschenden Baldachine in kräftigem Rot stehen wie die Landschaftsdetails im Gegensatz zur kleinteiligen Ausführung von Gesichtern, Stoffen und Tieren - in diesem Fall weist ein Lamm neben Jagdhunden auf die Utopien des Adels von einem neuen Arkadien hin. Der Hofdichter Pietro Metastasio, durch Meytens Porträt mit dabei, hat diese nachantike "Arcadia" neben Opernlibretti geschrieben.

Sorgsam freigelegtes Hinterteil


Ein ganz besonderer Saal ist jener mit den Kinderbildnissen des Künstlers und seines Schülerumkreises, dabei Joseph Hickel oder Sophonias de Derichs. Hickel war nicht nur stärker dem Barockklassizismus zugeneigt, er liebte auch farbige Lichtstege changierender Seidenstoffe. Ein besonders Werk Meytens’ im letzten Raum zeigt ihn als Maler deftiger barocker Erotik für die geheime Kammer des Carl Gustav Graf Tessin: Eine betende Nonne im Habit hat auf der Rückseite des Doppelbilds auf Kupferplatte ein sorgsam freigelegtes nacktes Hinterteil. Wo die Herkunft nicht so klar war, halfen Stiche, um so manche Zuschreibung unsignierter Porträts zu sichern.