Die Frau als Idol oder als Wunschbild? - Susanne Thiemanns "All in One" (2004) stellt berechtigte Fragen. - © Künstlerhaus
Die Frau als Idol oder als Wunschbild? - Susanne Thiemanns "All in One" (2004) stellt berechtigte Fragen. - © Künstlerhaus

Drei Ausstellungen im Untergeschoß und ebenso viele im Obergeschoß: Das Künstlerhaus will offenbar ein Aus-den-Nähten-Platzen nicht nur mit seiner Geschichte vor Augen führen. "600Mio. - Freunde und Komplizen", kuratiert von Barbara Steiner, hebt aus 150 Jahren turbulenter Verwaltung durch die Gesellschaft bildender Künstlerinnen und Künstler einige historische Highlights hervor, aber auch die Vermietungen für die Festwochenausstellungen in den 80er Jahren, den Beinahebankrott und das Angebot eines japanischen Investors von 1996, 600 Millionen Schilling für Grundstück und Gebäude zu zahlen. Die neue Direktion hat das Stadtkino hereingeholt und versucht, statt Blick auf die reinen Vermögenswerte des Hauses, die wirtschaftliche Herausforderung mit einer Überfülle an Konzepten.

Institution mit Vergangenheit

Freundschaft und Komplizenschaft als nicht unwesentliche Gefühlsaspekte der Institution werden in zahlreichen Interviews über das Künstlerhaus von Christian Helbock und Markus Lobner thematisiert. Neben dem Video bieten 56 Künstlerhausmitglieder in einer permanent geplanten Schau ihre Werke zum Verkauf an; erweiterte Bereiche haben Isa Rosenberger, Superflex sowie Goldin + Senneby. 1914 wurde das Künstlerhaus zum Lazarett, aber die Ateliers der Künstler wurden parallel geöffnet; an diese Idee schließt eine Öffnung von Ateliers derzeit an; Clubabende erinnern an den Casino-Betrieb in den 50er Jahren - eine Fortsetzung dieser Schau für 2016 ist bereits geplant.

Im Obergeschoß sind Hauptraum und linker Flügel der Themenschau "Idole. Prähistorische und zeitgenössische Frauenbilder" gewidmet, der rechte Flügel schließt die von Karin Mack zum Monat der Fotografie kuratierte Ausstellung "Experiment analog" an. Beide hätten den ganzen Stock verdient, vor allem wäre Katia Rids Ansatz, anatolische Göttinnen aus dem 2. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung mit heutigen Frauenbildern zu konfrontieren, in größerem Umfang verständlicher. Viele Werke wurden speziell für die Schau entwickelt und wie an dem Mail-Art-Projekt "Madonna sagt..." der Münchnerin Augusta Laar und ihrer Installation "Große Puppenklinik" sichtbar, wären auch die österreichischen Pendants mit Werken der Klagenfurterin Burgis Pair oder der Grande Dame der Puppenmacherinnen, Liselott Beschorner, passende Vergleiche gewesen.

Die aktuellen Wege der Suche nach weiblichen Idolen gehen primär in Richtung neue Medien, wobei Miriam Elias Video von 2011 die englische Version einer Verpuppungsphobie eher depressiv stimmt. Mehr Witz fahren Ina Loitzl mit "Die Seelen in meiner Brust" oder Christiane Spatt mit "La belle Irene" auf. Birthe Blauth beschwört die mythischen Sirenen, Stephanie Guse macht aus den teuren Porträts von Gustav Klimt gruselige Collagen aus Abfallmaterial. Die Gruppe "Die 4 Grazien" setzt sich als gelungene Fortsetzung von "Die Damen" seit 2002 in Szene und testet als "Salon Gier" die großen Gesten unserer Konsumgesellschaft ironisch aus. Auch die Kritik an "Gender Setting" und männlichen Verklärungen wird zur Falle für Betrachter in ihren Fotoserien und Videos, genannt "Zeus - Schmusen mit Musen" oder "Trefferquote".

Bambi und die Mutzenbacher


Im internationalen Kontext läuft mit Shirin Neshats Beitrag zur 51. Viennale 2013 der "Little Film" mit dem Titel "Illusions & Mirrors" und Maria Lassnigs Zeichentrickfilm "Selfportrait" von 1971 - zwei Anpassungen an das Thema Idole aus New York. Neben Claudia-Maria Luenigs Zelt der "Black Widow" als politischem Idol kombiniert Martina Tscherni mit Digitaldruck auf Gewebe eine auch nicht so harmlose Stickerei für "Bambi und Mädchen auf der Wiese" - Felix Salten zwischen Bambi und Mutzenbacher.

Fotografische Handschriften im Zeitalter des Digitalen greifen auf das analoge Experiment zurück - Karin Mack hat zu ihrer eigenen Arbeit jene von Inge Dick, Robert Zahornicky, Barbara Höller, Cornelia Mittendorfer oder Beatrix Bakondy versammelt, um das alte Abenteuer der Erzeugung von Aura durch alchemistisches Spiel in der Dunkelkammer mit Fotogramm, Aerosol, Einzeichnen oder Schreiben, aber auch Verwendung von Scanner oder Polaroid wieder neu zum unvergesslichen Konzept zu machen. Lochbildkamera, Solarisation und Silbergelatineprint neben Realscan auf Alu - alles ist möglich im nach-postmodernen Fotouniversum.