Kunst und Keramik: Bodenfliesen der Brüder Schwadron in einem Stiegenhaus in der Königsklostergasse, 1060 Wien. - © Lisa Rastl
Kunst und Keramik: Bodenfliesen der Brüder Schwadron in einem Stiegenhaus in der Königsklostergasse, 1060 Wien. - © Lisa Rastl

Im Jänner gab es eine Ausstellung über die Keramikfliesenfirma der Brüder Victor und Adolf Schwadron im ehemaligen "Schauladen und Büro" der Firma am Franz-Josefs-Kai 3, in dem einige Jahre die Bawag-Foundation beheimatet war.

Das enorme Interesse an der Schau führte zu dem Projekt von Tina Zickler. Mithilfe vieler privater Scouts dokumentierte die Kulturmanagerin, welche Ausstattungen der Brüder Schwadron, entstanden zwischen 1899 und 1938, in Wiener Industrie- und Wohnbauten, Hotels, Badeanstalten oder Geschäften mit Kaminen, Brunnen und Gartengestaltungen noch erhalten sind.

Selbst in Baden, am Semmering oder in Bad Gastein fand die "Kunst- und Luxuskeramik" Verwendung. Die erweiterte Suche in Nachbarländern der ehemaligen Monarchie ist noch aufzunehmen. Die erste museale Schau vereint nun die Recherchen mit Beständen aus der eigenen Sammlung im MAK - etwa einen Neptun von Michael Powolny aus dem ehemaligen Dianabad, sowie zwei weiße Wassergötter, dazu ein Springbrunnen aus dem Garten der Villa Rudolf Perthens von Michael Powolny und Otto Prutscher.

Wienweite Forschungen


Ein Teil der Schau zeigt das Fundmaterial der Scouts in fotografischer Inszenierung von Lisa Rastl. Große Fotos im Quadrat von einzelnen Details der Hausausstattungen integrieren auch typische Labels der Firma auf Metalltüren und eigenen Signaturfliesen.

Näher Auskunft geben der Fund eines ehemaligen Musterbuchs der Firma Schwadron im Konkurrenzbetrieb Wienerberger neben historischen Fotografien der Kunstgewerbe- und Werkbund-Ausstellungen ab 1912. Die Bild- und Textbeiträge zu einem späten kollektiven Andenken verbindet der Katalog mit der tragischen Geschichte der jüdischen Familie: 1938 wurde die Firma durch Mitarbeiter arisiert, Victor Schwadron lebte noch, verfolgt von den Nationalsozialisten, bis 1942 in Wien, sein Bruder Adolf entzog sich der Gestapo durch einen Fenstersturz, nur den Söhnen Ernst und Walter gelang die Flucht nach Amerika.

Namhafte Künstler hatten für die Keramikfirma zwischen Späthistorismus und Jugendstil gearbeitet, viele standen mit der Kunstgewerbeschule und der Wiener Werkstätte, aber auch Akademie und Secession in Verbindung: Neben den genannten Professoren Prutscher und Powolny waren es Berthold Löffler oder Leopold Forstner. Sie garantierten die hohe Qualität der Erzeugnisse, aber auch den Stil der modernen Reformkunst kombiniert mit "Japonismus". Sichtbar ist er in abstrakten, floralen und figuralen Mustern von Zierfliesen an Wänden und in Böden, an Kachelöfen, Spiegeln, Springbrunnen und typischen "Bassena"-Wandbecken.

Architekten wie Prutscher oder Marmorek, sowie die vielen unbekannten Schüler Otto Wagners, statteten ihre Häuser und Villen mit den Erzeugnissen der Firma aus. Tina Zickler hatte mit ihrem Projekt Schwadron die Wiener derart animiert, dass selektiv mit dem imposanten Ergebnis umgegangen werden musste, ein zweites Projekt ist wahrscheinlich - Wiener Jugendstil bleibt ein "work in progress" der Forschung.