Zur Erinnerung: In der Vorwoche setzte Andreas Theiss, Anwalt der Familie Czernin, der Öffentlichkeit in einem "Standard"-Interview seine Sicht der Dinge auseinander. Wie bereits zuvor bekannt, hat Jaromir Czernin das Werk im Jahr 1940 an Adolf Hitler verkauft, laut Theiss zum Preis von rund einer Million Reichsmark. Während der verstorbene Journalist Hubertus Czernin in seinen Recherchen zu dem Schluss kam, dass eine Restitution nach dem Krieg zu Recht nicht erfolgte, weil sich kein Zwangsverkauf nachweisen ließ, behauptet Theiss nun Gegenteiliges. Für Jaromir Czernin hätte seinerzeit nämlich Gefahr bestanden: Sein Schwager sei der Hitler-Gegner Kurt Schuschnigg gewesen, die Ehefrau wiederum - nach den Nürnberger Rassengesetzen - "Mischling zweiten Grades". Fazit: Czernin habe durch den Vermeer-Verkauf sein Leben gerettet.

Unsinn, kontert nun im "Standard" ein Kommentator: "Mischlinge zweiten Grades", so der Historiker Gerhard Zeilinger, waren sogar als Wehrmachtssoldaten aktiv, und mit Sicherheit hätten sie nicht - wie dies Theiss von Alix May behauptet - einen Judenstern tragen müssen. Zeilinger: "Hier wird ein eklatanter Missbrauch mit dem jüdischen Schicksal getrieben."

Der Galerist Hubert Thurnhofer wiederum greift Theiss Pläne an: Geht es nach dem Anwalt, soll das Museum das Bild nun von der Familie kaufen. Zwar sei das Geschäft mit Hitler gewiss unter Druck abgeschlossen worden. Dennoch wäre die Summe für die damalige Zeit "beachtlich" gewesen. Und dass Czernin das Bild in die USA hätte verkaufen können - wie er dies auch tatsächlich angedacht hatte -, "zählt nicht, denn die Ausfuhr wäre auch mit den heutigen österreichischen Gesetzen nicht vereinbar".