Der 1938 in Prag geborene Peter Bartoš lebte bislang in selbst gewählter Isolation als Konzeptkünstler in Bratislava - trotzdem er in den Jahren seiner Aktionskunst um 1970 auch als politischer Land-Art-Künstler bekannt war und sich mit Stano Filko und Július Koller dem Fluxus östlicher Prägung verschrieb.

Am Kunstmarkt westlicher Dynamik ist er bis jetzt nicht vertreten, da er verweigerte, seine Aktionsdokumentationen zu verkaufen, und frühe Bilder nach Präsentation in einer Auslage an Freunde verschenkte. Aus Fragmenten entwickelte er danach neue Überlegungen zur prozessualen Malerei, die nur mehr in Kopien gezeigt wird. Schon früh waren Rastermotive für verschiedene Medien als "Fotoseriengemälde" konzipiert und Betrachter wurden aufgefordert, sich durch neuerliches Ablichten mit der Kamera ein eigenes Original zu schaffen.

Temporäre Kunst


Kunst hat für Bartoš eine temporäre Erscheinung wie die Spur im Schnee und so präsentiert er sein Lebenswerk zwischen "Konzentration", "Akkumulation" und "Diffusion" komprimiert im Künstlerbuch "Situations 1945-2014" in 82 Fotokopien und legt dieses um einen im Quadrat aufgestellten Tisch in der Secession auf.

An einem so situierten Tisch finden Konferenzen oder Feste statt, was der prozessualen Kunstauffassung des Künstlers im Kommunikativen entspricht. Jedem seine eigene Dokumentation - der Austausch mit dem Publikum ersetzt die undemokratische Vorgabe. Einzelne reproduzierte Fotografien zeigen den Künstler als Akteur mit der "Abstraktion in der Natur", wobei Bäume, Schnee, Wasser, Tiere, aber auch Schlamm und Eis im Freien einbezogen sind. Im Atelier agiert er mit Eiern und Naturfarben wie ein Kunstschamane; jedoch wirkt sein Animismus stark ironisch.

Wien und Warschau waren in seine komplexen Aktionen, Forschungen und Zeichnungen, die kopiert zur Entnahme aufliegen, schon vor der Öffnung des Eisernen Vorhangs integriert, nämlich in seine Projekte mit Tauben, Taubenzüchtung und Taubenfreilassung 1971-1978 und dem seit 1993 erwanderten Projekt "Nomadart". Die Wanderung schloss in einer, mit dem Zirkel vom Ort Uhrovec ausgehend, in bestimmten Kreis-Routen Polen, Ungarn und  Österreich mit ein. Uhrovec war der Geburtsort von Ludovit Štúr, einem Mitglied der slowakischen Nationalbewegung im 19. Jahrhundert wie auch von Alexander Dubček, der Leitfigur des Prager Frühlings 1968. "Nomadart" überschritt im Sinne der Linie als metaphysische und transhistorische Größe alle heute "grünen" Grenzen. Wie Filko begreift Bartoš die ihm bekannte Welt dabei aktuell im "Post BigBang" befindlich.

Mit einem hohen Grad an Ironie wird hier die Schwierigkeit eines mitteleuropäisch denkenden Künstlers thematisiert, sich bei der Trennung der Staaten Tschechien und Slowakei 1993 für eines der beiden Länder zu entscheiden. Diese Haltung führte Bartoš nach der Ostöffnung 1989 in anhaltende Isolation durch Staatenlosigkeit, weshalb er Landschaft nur noch konzeptuell definiert. Denn die Natur blieb sein zweiter wesentlicher Ansatzpunkt: Eine architektonische Ausbildung an der Hochschule für bildende Kunst in Bratislava ermöglichte ihm, den Brotberuf als Landschaftsplaner des dortigen Tiergartens zu ergreifen, wobei er ein großes ökologisches Land-Art-Projekt mit einbezog, das nun vom späteren Autobahnbau geschmälert ist.

Gegen die Spekulationsmafia


Im Lebenswerk fallen neben Linien aus Migrationsrouten der Zugvögel und Aktionen als "Soziosituationen" auch die Zeichnung "3 Pferde trinken klares Wasser" von 1979 auf - ein ökologischer Aufruf für das Dreiländereck; Bartoš kämpft zusätzlich gegen die Spekulationsmafia, die auch das Brachland unter der Burg von Bratislava verkaufen will. Beim Umschreiten des Tisches kann die reiche Chronologie seines Künstlerkampfes in Einzelblättern mitgenommen, oder auch als Mappe von 82 Blättern mit Textbuch erworben werden. Dabei taucht die Frage auf, ob am Schluss der Tisch bis auf die Mappen leer sein wird (weil hier Kunst verschenkt wird), oder der Künstler seine Lebenskunst immer wieder in kopierten Blättern nachliefert.