Er ist Maler, Sänger, Umweltaktivist, war einmal Tänzer, hat Bühnebilder an berühmten Opernhäusern gestaltet, Häuser gebaut und Fassaden verziert; dazu gibt es Kinderbücher und ein keramisches Werk, Schmuck und Gobelins. Nach schwierigsten Bedingungen im Zweiten Weltkrieg teils im Wiener Untergrund zu überleben, wurde der 1929 geborene Erich Brauer, der sich seit seiner Hochzeit 1957 mit Naomi Dahabani aus Tel Aviv Arik nennt, einer der aktivsten österreichischen Künstler. Mit 16 Jahren kam er zu Robin Christian Andersen an die Akademie, Albert Paris Gütersloh nannte die Gruppe junger Maler, der sich Brauer anschloss, nach 1947 Phantasmagoriker, später prägte Kunstkritiker Hans Muschik den Begriff Wiener Schule des Phantastischen Realismus.

Maltechnik in Schichten
mit Ölpigmenten

Die Ausstellung im Leopold Museum widmet sich schwerpunktmäßig dem Maler Brauer von seinen Anfängen in Art Club und "Hundsgruppe" - wo er mit Ernst Fuchs, Maria Lassnig und Arnulf Rainer auftrat - bis heute. Kuratorin Alexandra Matzner hat Hauptwerke wie den "Regenmacher von Karmel" von 1964 leihen können. Aus der interessanten Frühphase besitzt der Künstler selbst wichtige Porträts - immer wieder taucht sein Vater Simon aus Vilnius auf, der Opfer der Shoah wurde. Die besondere Maltechnik in vielen Schichten mit Ölpigmenten verrät von Anfang an die Orientierung an alten Meistern wie Hieronymus Bosch und Albrecht Altdorfer. Gustav Peichl schuf für seinen früheren Akademiekollegen im unteren Atrium des Museums Vitrinen und eine Archiskulptur zwischen Turm und Kapelle; dieses weiße Sechseck hat Brauer in den letzten Wochen mit seinen typischen Motiven während der Besuchszeiten bemalt.

Eine zweite Ausbildung zum Sänger, seine Protestsongs und politischen Aktivitäten in der kommunistischen Bewegung nach 1945, sichtbar durch Plattencover, Fotos und einen Film, führten ihn durch ganz Europa. Mehrere Jahre verbrachte er in Paris, wo er auch den Galeristen Karl Flinker kennenlernte. Bis heute verbringt er einen Teil des Jahres im Künstlerdorf Ein-Hod in Israel, musiziert mit seiner Familie, kämpft seit dem Seckauer Kunstgespräch 1958, ähnlich Friedensreich Hundertwasser, gegen den "Glauben an das Winkelmaß" in der Architektur und 1984 engagierte er sich für die Rettung der Hainburger Au. Viele, an sich kaum darstellbare Schrecken wie den Vater im Gas, alttestamentarische Kriege, Tschernobyl und Terrorattentate verpackt Brauer in bunte Malwelten voller Erzählungsdetails, was ihm seitens der Abstrakten und der Konzeptkünstler viel Kritik einbrachte.

Frauen und Musikanten, die die Welt verändern


Auch die Philosophie des Existenzialismus prägte Frühwerke wie "Kleine grüne Landschaft" oder "Mädchen im Bombentrichter", gefolgt von Wasser- und Wüstenlandschaften, angeregt von seinen Reisen nach Algerien und Israel. 1968 beflügelte die Mondlandung seine Fantasie, später die jüdische Geschichte, auch noch der Jom-Kippur-Krieg und immer wieder Visionen der Apokalypse. Den Frauen und Musikanten traut der Optimist eine Veränderung der Welt hin zum Guten nach wie vor zu, weshalb sie neben Welt- und Schneelandschaften, Pflanzen, Tieren und Elementen in Aufruhr, Hauptrollen in seinen Gemälden einnehmen.

Sein interessantes Leben bereicherten auch die Aktivität als Tänzer auf der Bühne und Musiker im Film, sowie eine Professur an der Akademie von 1986 bis 1997; Wieland Schmied holte ihn an die Salzburger Sommerakademie. Immer noch verteidigt er mit Humor die Malerei, an deren Ende nach einer Kontinuität seit der Höhlenmalerei er nicht glaubt, und bekämpft alle Avantgarden, die sich von ihr lossagen. Die neuen Medien nützt er, einschließlich Fernsehen und Film, für diese Verteidigung fantastischer Malwelten, nicht ohne einzugestehen, dass die allzu starke Kommerzialisierung der Wiener Schule des Phantastischen Realismus ab 1970 der Gruppe enorm geschadet hat.