Es bewegt sich nichts

Gemalt, was vorher gezeichnet wurde: ein Comic-Bild von "reo".
Gemalt, was vorher gezeichnet wurde: ein Comic-Bild von "reo".

Da ist auch Heinz Wolf, der nach "Max und Moritz auf Wienerisch" soeben auch den "Struwwelpeter auf Wienerisch" illustriert hat, die Illustratorin Nina Dietrich (illustration.at) oder Nicolas Mahler, der unter anderem "Alte Meister" als Graphic Novel bei Suhrkamp veröffentlicht hat (mahlermuseum.at).

Sie alle leiden unter der österreichischen Starrheit im Bezug auf Comics. "In Österreich bewegt sich einfach nichts", bringt es Heinz Wolf auf den Punkt. Verlage gibt es kaum. So sind die Künstler gezwungen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, haben die Zeitschrift "Tisch 14" gegründet, die sie seither selbst herausgeben und finanzieren. Aus Geldnot kann sie nur in Schwarzweiß erscheinen, immerhin aber kann sie es überhaupt.

Und dann ist da noch die bildende Kunst, die den Comic in ihre Arbeit aufgenommen hat. Lowbrow nennt sich diese Kunstrichtung, in der sich, neben international bekannten Namen wie Jeff Koons, der österreichische Künstler "reo" bewegt. Er hat sich in den 90er Jahren, als mit Comiczeichnungen kein Geld mehr zu verdienen war, für die bildende Kunst entschieden und malt seither, was er vorher zeichnete. Inspiriert von Roy Lichtenstein, zeichnen sich seine Bilder durch eine sehr klare Linienführung aus. Den Text für die Sprechblasen entnimmt er Zeitungen oder auch Liedern, um ihn in seinen Bildern neu zu kontextualisieren. So entstehen äußerst variantenreiche Comicbilder in unterschiedlichen Formaten, knallbunt oder düster, grotesk oder elegant, makaber oder kinderbuchfreundlich, immer aber pointiert und mit einem leisen ironischen Unterton. Auf diese Weise schafft er es, Gesellschaftsrelevanz mit Fiktion auf humoristische Art zu verbinden. Zum Leben reicht das dennoch nicht, weshalb er, gemeinsam mit seinem Kollegen Stefan Stratil auch auf Auftragsarbeiten angewiesen ist. Manchmal gelingt es dann, so Stratil, auch kleinere Comics unterzubringen.

Die Künstler trifft keine Schuld, dass es in Österreich keine Comickultur gibt. Ihre Leidenschaft ist nicht zu bremsen - auch nicht durch die erschwerenden Umstände in einem Land, das für den Comic zwar immer mehr, aber global gesehen immer noch sehr wenig übrig hat.