Jeongmoon Choi zeichnet in der Installation "Passage" Lichtfäden in den Raum. - © Jeongmoon Choi
Jeongmoon Choi zeichnet in der Installation "Passage" Lichtfäden in den Raum. - © Jeongmoon Choi

Die Gründung des Kunstvereins "das weisse haus" erfolgte gerade zur richtigen Zeit, nämlich als die Wiener Kunstszene um einige Offspaces ärmer zu werden drohte. Dabei ist die Institution vor allem durch eines gekennzeichnet: ihre fortwährend wechselnde Adresse. Seit Dezember 2007 wurden fünf verschiedene Standorte bespielt, meist leer stehende Amtsgebäude wie das ehemalige Finanzamt in der Kriehubergasse im fünften Bezirk, das dem Ausstellungssatelliten momentan zur Verfügung steht. Hier, im vierten Stock, bringt aktuell eine Schau zum Thema Licht viel Erhellendes. 24 künstlerische Positionen verdeutlichen in raumgreifenden Installationen, Objekten, Zeichnungen und Fotografien, wie viel Potenzial in jenem Phänomen steckt, das sich Wissenschafter bis weit in die Neuzeit hinein nicht so recht erklären konnten.

Die Inszenierung des Lichts

Gleich zu Beginn zieht der Beitrag von Tim Roßberg in den Bann. Vertikale und horizontale Lichtbalken, die sich mitunter zu Linien verdichten, projiziert er auf hintereinander geschichtete Stoffbahnen. Die Installation scheint sich undefinierbar weit in den Raum hinein fortzusetzen. Für Sogwirkung sorgt auch der begleitende elektronische Sound. Auf die Eigenschaft des Lichts als Material verweist Nina Schuiki, die mit einem Diaprojektor trapezförmige Flächen an die Wand malt. Ein schlichtes Insitu, das die Vorstellung von Fenstern, die Ausblick gewähren, suggeriert.

Das Verfahren der "additiven Farbmischung", das der Physikers James Clerk Maxwell 1861 ersann, um das erste Farbfoto zu kreieren, bildet den Hintergrund zu Viktoria Schmidts filmischem Wolkenhimmel in glühendem Rot, Grün und Blau. Nicole Ahland wiederum hat 24 Stunden in einer gotischen Kirche verbracht, um die fotografisch eingefangenen Lichtstimmungen anhand von chromogenen Abzüge zu vermitteln.

Erstaunlich ist, mit wie wenigen Objekten aus Glühbirnen und Neonröhren die Ausstellungen allen Erwartungen zum Trotz auskommt. Der amerikanische Minimalkünstler Dan Flavin brachte sie mit seinen Objekten und Installationen in die Kunstgeschichte ein. Licht war ihm Werkstoff und Farbe zugleich.

Der Glühbirne wird allerdings in Miriam Hamanns Videotriptychon gehuldigt, Michael Vorfeld dekliniert ihre vielen Erscheinungsformen in einer 40-teiligen Serie an Fotogrammen durch. Wie Vorfeld setzt auch Ulrike Königshofer Licht als Werkzeug ein. Mit einer großen Linse hat sie Sonnenstrahlen gebündelt, um ihre "Sonnenaufzeichnungen" ins Papier zu brennen.

Die Ausstellung begeistert nicht zuletzt aufgrund einiger raumgreifender Installationen, die auf die inszenatorischen Qualitäten von Licht setzen. So ist etwa das Spiel von Licht und Schatten ein wesentlicher Aspekt von Swen-Erik Scheuerlings rotierender Skulptur, die an den wallenden Reifrock einer Tänzerin ebenso denken lässt wie an die experimentelle Filmkunst der 1920er Jahre. Jeongmoon Choi wiederum flutet Räume mit UV-Licht und verspannt Fäden zu irritierend schöne Raumzeichnungen. Perspektivisch gerät dadurch einiges ins Wanken.