• vom 07.04.2015, 21:10 Uhr

Kunst

Update: 07.04.2015, 21:26 Uhr

Ausstellung

Die Struktur der Findlinge




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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

  • In der Shedhalle St. Pölten ist eine große Personale von Franz Xaver Ölzant zu sehen.

Tektonik statt Dekor: Franz Xaver Ölzant in der niederösterreichischen Landesgalerie für zeitgenössische Kunst. - © Christoph Fuchs

Tektonik statt Dekor: Franz Xaver Ölzant in der niederösterreichischen Landesgalerie für zeitgenössische Kunst. © Christoph Fuchs

Nicht nur die Bildhauereiklasse von Fritz Wotruba an der Akademie, sondern die Angewandte hat nach 1945 besondere Vertreter der neuen Skulptur hervorgebracht. Von der ehemaligen Kunstgewerbeschule aus haben die eigenwilligen Werke Bruno Gironcolis, Walter Pichlers oder Helga Philipps, die für die nächste Generation vorbildlich wurden, ihren Ausgang genommen. Philipp studierte bei Hans Knesl Bildhauerei mit dem 1934 geborenen Franz Xaver Ölzant. Seinem vielfältigen Schaffen in wechselnden Materialien und enorm offenen Gestaltungsvariationen widmet sich die Zeit Kunst Niederösterreich jetzt mit eine großen sehenswerten Personale.

Biomorphe Formen

Information

Ausstellung
Franz Xaver Ölzant:
Idee - Prozess - Form
Zeit Kunst NÖ/Shedhalle
St. Pölten, bis 23. August


"Franz Xaver Ölzant. Idee - Prozess - Form" beginnt mit der Loslösung von figuralen zu abstrahierten Formen großer Dynamik nach dem kurzen Studium, das der Künstler nicht abschloss. Außer einer Reise durch Italien, um Michelangelo und die Antike zu studieren, arbeitete er in den 60er Jahren als Steinkonservator antiker Skulpturen bei den Ausgrabungen von Ephesos.

Eine eigenwillige Artemis, mehrere Schwingen, die einer Nike nachempfunden sind, und ihre archetypischen Paraphrasen sind die Folge, wobei das klassische Prinzip in vielen Variationen hinterfragt wird. Ölzant kehrte 1958 - bis auf einen Aufenthalt bei Hans Hartung in Berlin - für viele Jahre in seine Waldviertler Heimat Pfaffenschlag zurück und fand durch Naturbeobachtung oder Bearbeitung von Dorit-Findlingen, die er durch Mulden, Kreise und Rundungen akzentuierte und wie prähistorische Steinsetzungen im öffentlichen Raum platzierte, zu einem breiten künstlerischen Konzept. Weniger dem kultischen Impetus oder der Symbolik folgend, ging er den Strukturen biomorpher Formen nach wie auch archaischen Ornamentsetzungen der alten Griechen. Dabei schien ihm der Begriff Ornament für die sich verselbstständigende Struktur der Oberflächen aber unpassend, da es für ihn nicht um Dekor, sondern um Tektonik geht.

Tatsächlich sind die dynamischen Ranken oder Gestaltungsvariationen meist sich wiederholende Erinnerungsmuster. Eine ganze Serie kleiner Plastiken in Porzellan, Bronze, Stein oder mit metallischer Farbe überzogene Hölzer nennt der Künstler "Erinnerungen" an seine frühen, oft verworfenen Versuche, Form und Oberfläche in Einklang zu bringen. Die großen Skulpturen haben ab den 70er Jahren nur noch Untertitel nach der Bronze "Poseidon", einem Hauptwerk von 1969, und sind mit einer Buchstaben-Zahlenkombination versehen, die sein Ausloten vielfältiger Versuchsreihen besser begleitet als inhaltliche Konnotation.

Über die Vielfalt an Materialien, die er im Laufe seines Schaffens benützte, und auch über die zahlreichen Variationen von Formen in vegetabile wie kristalline Richtung sei er zufrieden, sagt Ölzant in einem Interview mit Kuratorin Alexandra Schantl. Die Konsequenz der Ausführung seiner in Skizzenbüchern aufgelisteten plastischen Studien ist erstaunlich. Auf die Figur, ihrer Abstrahierung in Archetypisches, wie Göttinnen oder Bögen einer Krypta, folgen Perlschnüre, Blüten- und Fruchtformen nahe der Meeresbiologie - besonders raffiniert aufgetürmt in "Konzept 777". Die dazu vorhandenen Gipsformen erwiesen sich leider für den Transport aus dem Atelier in die Ausstellungshalle als zu fragil, sind aber im Katalog zu finden. Im Gegensatz zu den weichen Formen stehen die ab den 90er Jahren auftauchenden schwebenden, oft schwerelos wirkenden Bündel und Knäuel, die Zinkdrahthaufen, bis zu den symbolisch aufgeladenen Aluminiumtafeln der letzten Jahre seit 2000.

Nach der Mitarbeit in Ephesos war er als Werkstättenleiter des Bundestheaterverbands tätig und von 1986 bis 2001 als Professor für Bildhauerei an der Akademie am Schillerplatz. Verdichtung und auch Entgrenzung des plastischen Gedankens gab er an seine Schüler weiter. Einige Symposien von St. Margarethen im Burgenland über Deutschland bis Japan förderten Ölzants Beiträge für den öffentlichen Raum - in Städten wie in der Landschaft. Aus seinem Heimatdorf hat er ein zweites Avebury oder Carnac gemacht mit Steinsetzungen, die er als "Einnistungen" des Wesentlichen neben seinem intellektuellen Weg eines "Endloskonzepts" empfindet.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2015-04-07 16:38:09
Letzte Änderung am 2015-04-07 21:26:44



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