Existenziell: "Wie ich saß" .
Existenziell: "Wie ich saß" .

Die jüngsten Arbeiten von Tracey Emin korrespondieren in dieser ersten Soloschau in Wien mit Egon Schieles Bildern und Gouachen der Spätzeit. Die lange Kenntnis seines Werks ist spürbar, aber auch die letzten zwei Jahre des direkten, intensiven Dialogs mit den Originalen. Eine Veränderung im Werk der Künstlerin macht sich bemerkbar. Es geht jedoch weiterhin nicht um skandalöse Momente von Erotik, sondern um eine sensible Annäherung an die existenziellen Probleme, die beide Künstler vor allem aus den Gefahren der Einsamkeit und unerfüllten Sehnsüchten in ihre Kreativität übertragen konnten. Dabei ist die Zeichnung wie Sprache direktes Ausdrucksmittel der Empfindung, für Emin verbirgt sich in den Korrespondenzen auch die Philosophie Baruch Spinozas. Weiterführend ist der Dialog auch zwischen ihren von Gouachen ausgehenden Stickarbeiten ein intensiver.

Sie beginnt mit der Installation einer Erinnerungsskulptur ihrer Kindheit mit Träumen über die Hochschaubahn im Lunapark "Dreamland", die sich als hybride Holzlattenkonstruktion "It’s Not the Way I Want to Die" mit Schieles asymmetrischen "Berg am Fluss" zu einer Stimmungslandschaft verbindet. Hier wie in den nächsten Räumen haben alle Werke viel Raum, nur bei Serien wird zuweilen verdichtet. Im Fall der weiß patinierten Bronzeskulpturen von Frauen und Tieren auf Podesten mit lyrischen Aufschriften, die Variationen mit Schlange, Schwan, Hirsch oder Fuchs zeigen, gibt es ein Arrangement auf einem langen Tisch. Der Gipscharakter bleibt den Bronzen erhalten, erinnert an Alberto Giacometti oder auch Cy Twombly, aber auch mit Abstand an Maria Lassnigs Selbstporträts mit Tieren. Nicht nur die Modellhaftigkeit korrespondiert auf subtile Weise mit den bewusst unvollendeten Gouachen Schieles.

Emins "Die Grotte", die Neonarbeit "More Solitude" und auch die figürlichen Reliefs bleiben unter den Großformaten der "Lonley Chair Drawings". In einem Raum liest Emin die Gedichte Schieles, in einem anderen ist ihr Film "Those, who suffer love" nach pornografischen Found-Footage-Fotos zu sehen. Schieles Dramaturgie mit Sehnsucht nach Liebe und Ich-Verlustangst, aber auch die Spielbälle des Existenzialismus, sind stark spürbar in diesem neuen, durch Reibungen an einem expressionistischen Vorgänger entstandenen Werkabschnitt einer der Leitfiguren der "Young British Artists" der 90er Jahre. Für die Wiener Kunst- und Museumsszene jedenfalls ein ganz besonderer Seelenparcours.

Ausstellung

Tracey Emin/Egon Schiele

Where I Want to Go

Diethard Leopold, Karol Winiarczyk (Kuratoren)

Leopold Museum bis 14. 9.