El Dorado Wien: Albert Oehlen "Gaswerk", 1984 - © Privatsammlung
El Dorado Wien: Albert Oehlen "Gaswerk", 1984 - © Privatsammlung

Eine "Kunstzeitgeschichte" nennt Wolfgang Kos seine Abschiedsschau über die legendäre Wiener Galerie des Grazers Peter Pakesch von 1981-1993. Das Wien Museum verfügt über die Schenkung des Archivs und den Arbeitstisch der Galerie. Er war von keinem Geringeren als Franz West, den Pakesch neben neuwilden Malern wie Herbert Brandl und Neo-Geo mit Heimo Zobernig und Gerwald Rockenschaub zu internationalem Ruhm verhalf.

Dazu kamen Positionen wie Mike Kelley, Ilya Kabakov oder Sol LeWitt, deren Wienprämieren legendär ausfielen zudem holte der Galerist die Kölner Szene um den Kollegen Max Hetzler mit Martin Kippenberger und Albert Oehlen hierher.

Das "Kunstwunder von Wien" titelte das Magazin "Art" 1986; es war mit der Galerie nächst St. Stephan Oswald Oberhubers, Grita Insam sowie der Galerie Metropol auch das Ende der Kunstprovinz.

Mit John Baldessari, Clegg & Guttmann, Michelangelo Pistoletto und Liz Larner mischten sich die teils auch musizierenden heimischen Künstler Herbert Brandl, Otto Zitko, Graf & Zyx, Peter Weibel mit seinem Hotel Morphila Orchester und der Fotograf Didi Sattmann hielt die ganze Szene mit seiner Kamera fest.

Nächtlich im Café Alt Wien, der Wunderbar, dem Oswald und Kalb neben U4 oder Tempo ging der Austausch weiter. Die Musik der Krachbands Molto Brutto und Wirr ist in einem Extraraum zu hören, erste Videofilme zeigen wie Fotografien und Polaroids die heute verstorbenen Größen Kippenberger, West oder die Kuratorin Cathrin Pichler performend.

Vernetzung vor dem Internet


Künstlerinnen waren mit 13 in der Minderzahl, eine damals gängige Praxis einer Galerie, die sich auch international am Markt platzierte.

Künstlerplakate, Postkarten und Faxbriefe zeigen die Vernetzung vor dem Computerzeitalter, als Vierteltelefone noch gängig waren und die Kommunikation in Lokalen und auf Messen direkt stattfand - begossen mit größeren Mengen Alkohol. Den frischen Wind postmoderner Ironie und Rotzigkeit zeigen das Fiakerrennen von Kippenberger und Oehlen im Prater plus Feier mit runtergelassener Hose in der Galerie. Josef Kosuth und Baldessari interessierten sich für Sigmund Freud, für Ludwig Wittgenstein, der Boom "Wien um 1900" und der Aktionismus lockte die Szene aus Los Angeles. Sol LeWitt ließ Marcus Geiger und andere seine konzeptuelle Wandinstallation ausführen und kaufte Jugendstilmöbel. Die erste Schau widmete Pakesch Hermann Nitsch, der in dieser Wiener Aufbruchszeit noch ohne Galerie war. Radioreporter Kos war damals Teil der El-Dorado-Stimmung.