Schattenspiele in der Rinderhalle: The Man Hiding From The Light. - © Viennacontemporary
Schattenspiele in der Rinderhalle: The Man Hiding From The Light. - © Viennacontemporary

Es ist wieder einmal Murmeltierzeit. Und das Anfang Herbst. Wobei es diesmal den teilnehmenden Akteuren - Galeristen, Kunsthändlern, Sammlern, Besuchern und Journalisten - etwas schwerer gemacht wird, weil sich der Ort geändert hat und nicht mehr so leicht zu erreichen ist. Die ehemaligen Rinderhallen von St. Marx sind weder mit den öffentlichen noch mit den privaten Verkehrsmitteln leicht und schnell zu erreichen. Selbst der junge Mann, der zufahrende Besucher an der Ecke Viehmarktgasse/Rennweg einweisen sollte, tut sich am Eröffnungstag schwer, sich mit seinem Schild zu platzieren. Aus welcher Richtung werden die interessierten Besucher denn anreisen? Wie auch immer. Das Prozedere der Präsentation der größten heimischen Messe für zeitgenössische Kunst bleibt das gleiche: Es gibt wieder einen Neustart. Diesmal betrifft es nicht die Betreiber oder das Management. Nein, die beweisen seit drei Jahren Konstanz und Durchhaltevermögen.

Wunschtermin

Was das Team rund um den russischen Investor Dmitry Aksenov nicht mehr durchgehalten hat, war das Nichtentgegenkommen der Reed-Messe. Denn durch den langfristigen Vertrag (Wer hat den damals unterzeichnet? Man erinnert sich kaum mehr) mit dem Messeveranstalter im Prater wäre die Viennafair terminlich - um es euphemistisch auszudrücken - flexibel gewesen. De facto hätte sie den günstigen Termin Ende September verloren und wäre in die Mitte des Oktobers gerutscht. Zeitnahe zu den unüberwindbaren Konkurrenten wie Frieze in London oder Fiac in Paris. Nachdem sich die Stadt Wien plötzlich doch intensiver für die Kunstmesse engagieren wollte, war relativ bald die Rinderhalle als Veranstaltungsort gefunden. Aksenov und seine Crew stieg aus dem Vertrag mit Reed aus. Nun hatte man einen neuen Ort und die alte Austragungszeit. Dass man sich mit diesem Schritt auch einen neuen Namen suchen musste, weil Reed die Rechte auf den Namen "Viennafair" besitzt und sich die beiden ehemaligen Partner nicht auf eine Ablösesumme einigen konnten, wurde in Kauf genommen. Durch das Prinzip stetiger Veränderungen und Neuorientierungen bleibt man frisch und flexibel - dies könnte als Grundsatz der "Viennacontemporary" gelten. Unter diesem Titel firmiert die Kunstmesse ab heuer.

Dass Reed daraufhin nicht nur den alten Namen der Messe an den Betreiber der "Art Austria", Wolfgang Pelz, verhökert hat, sondern auch als Gastgeber der 11. Viennafair fungiert, ist ein Wiener Paradoxon. Die neue, alte Messe Viennafair soll lediglich zwei Wochen (vom 8. bis 11. Oktober 2015) nach der Viennacontemporary über die Bühne gehen. Berücksichtigt man den österreichischen Kunstmarkt und die Stellung Wiens im internationalen Kunsthandel, kann dieses Unterfangen zumindest als gewagt, wenn nicht als absurd bezeichnet werden. Dass Pelz mit seiner Sommer-Messe Art Salzburg nicht besonders erfolgreich gewesen ist, sie aufgeben musste und heuer wiederum die Organisatoren der Art & Antique (Wien und Salzburg) unter demselben Namen eine Show zur Festspielzeit organisierten, ist ein weiterer Akt der verwirrenden Kunstmessen-Posse.