Kunst im Alltag


Hoch über den Dächern der Stadt, mit einem Ausblick, der bis nach Bratislava zu reichen scheint, freut man sich hier über die Möbeldesigns, die heimische Kreative mit Interio realisiert haben. Im Vordergrund stand dabei die Frage, wie archetypische Einrichtungsgegenstände für die Gegenwart reaktiviert werden können. Ungemein ansprechend etwa die Garderobe von Patrick Rampelotto mit variablen Einzelmodulen, die - an die Kleiderhaken an alten Wirtshausvertäfelungen erinnernd - jeweils aus einer Aufhängevorrichtung besteht. Darüber ist ein Spiegelobjekt fixiert, das auch als Geheimfach dienen kann. Robert Rüf dagegen verleiht dem Almer - einem einst für Alpenregionen typischen Schrank ein zeitgenössisches Gesicht.

Laborcharkter strahlen die weitläufigen Räumlichkeiten sechs Etagen unterhalb der Skyloft aus. Hier zeigt etwa das Duo mischer’traxler seine mehr in Richtung bildender Kunst tendierenden Objekte, die im Auftrag des Champagnerherstellers Perrier-Jouët und dessen Mission "Kunst in den Alltag hineinzutragen" entstanden. Die Installation "Ephemera" besteht unter anderem aus einem Tisch, der wie ein künstliches Herbarium anmutet. Nähert man sich den schablonenförmigen Pflanzmotiven, knicken sie ein. Geht man auf Distanz, gedeiht alles wieder.

Durchwegs schickem Interieur begegnet man in Nachbarschaft dazu anhand einer Bierbar, die das Design- und Architekturbüros Labvert für die Biermanufaktur R.M. Müller entworfen hat. In sozialer Hinsicht beeindruckt vor allem das Projekt "Roma Artisans: Craft Reloaded", das sich den Fertigkeiten der Kupferschmiede, der Holzschnitzerei und Besenbinderei widmet, die für die Volksgruppe der Roma lange Zeit ebenso identitätsstiftend wie die einzige Einkommensquelle waren. Die Präsentation, die wie viele Projekte der Vienna Design Week, die Qualität des Überlieferten mit Innovation verschmelzen, basiert auf der Zusammenarbeit der in Wien ansässigen Designer Nadja Zerunian & Peter Weisz und der 2012 in Rumänien initiierten Mesteshukar ButiQ, einem Label, das Protagonisten der erwähnten Handwerksdisziplinen vereint und auf diese Weise die Aufmerksamkeit für die kulturelle Produktion der Roma schärft.

Wie Gott in Frankreich


Und schließlich das Gastland Frankreich. Ein in die Jahre gekommenes Modell der Automarke Citroën weist den Weg in die Ausstellung "20 Ikonen des französischen Designs". Nicht nur dem BiC-Kugelschreiber wird hier alle Ehre erwiesen, sondern auch jener orangefarbenen Chaise-Longe, die Olivier Mourgue einst für das Setting Stanley Kubricks "2001: A Space Odyssey" entworfen hat.