Franz Marc: Kleine Komposition III, 1913. - © Leopold Museum Vienna
Franz Marc: Kleine Komposition III, 1913. - © Leopold Museum Vienna

Das Sammlerehepaar Leopold hatte neben seinem Schwerpunkt auf dem österreichischen Expressionismus auch eine Vorliebe für Vertreter dieser Kunstrichtung aus Deutschland. So gibt es neben Gemälden und Grafiken der Künstlervereinigung "Brücke", Ernst Heckel und Ernst Ludwig Kirchner, auch Skulpturen von Ernst Barlach, zum Teil in der privaten Sammlung II. Einer großen Expressionismus-Schau zu Lebzeiten Rudolf Leopolds folgt nun mit "Farbenrausch" eine zweite, auf die Deutschen konzentrierte Ausstellung, die in Kooperation mit dem Osthaus Museum in Hagen und dem Institut für Kulturaustausch in Tübingen für Wien sowie das Hamburger Ernst Barlach Haus konzipiert wurde.

Große Namen

Das Museum in Hagen geht auf den Sammler Karl Ernst Osthaus zurück, der die damalige Avantgarde in seine Stadt holen wollte und als Mäzen auch Barlach zu locken versuchte. Im Gegensatz zum Maler Christian Rohlfs kam Barlach dem Angebot nicht nach, stellte aber im Urhaus der sogenannten "Folkwang"-Sammlung mehrmals aus. Nach dem Tod von Osthaus 1921 verkauften seine Erben die Werke mit dem Namen Folkwang nach Essen, doch nach 1945 baute man in Hagen ein neues Expressionismuszentrum auf - vor allem mit dem Nachlass von Rohlfs. Dabei sind Künstler und Künstlerinnen aus dem "Blauen Reiter", der "Brücke" vertreten und ebenso für sich stehende Persönlichkeiten wie Walther Bötticher, der bei Rohlfs studierte, oder Conrad Felixmüller aus der Dresdener Secession, die in Wien neben Emil Nolde oder Max Pechstein wenig bekannt sind.

Am Anfang des Rundgangs durch die Schau hängt eine Medieninstallation im Dunkelraum von 2015, Virgil Widrichs "Parallaxis", ein Objekt aus sich verjüngenden Scheibensegmenten, unter dem der liegende Betrachter durch Computeranimation Farblichterfahrungen aus einzelnen Gemälden des Expressionismus aufnehmen kann. Der Rausch ist aber auch vor dem Signetbild der Schau, Alexej von Jawlenskys Gemälde "Mädchenkopf mit rotem Turban und gelber Agraffe" von etwa 1912, stehend gut nachvollziehbar. Rot trifft auf Gelb, Blau und Grün, nur durch schwarze Umrisse getrennt; zur grellen Farbigkeit und heftigen Kontrasten kommen bunte Schatten, wilde Pinselschrift und eine flache Perspektive. Der Zweittitel "Barbarenfürstin" weist auf die bevorzugten Inhalte der neuen Kunst nach dem Jugendstil hin. Außenseiter der Gesellschaft und außereuropäische "Exoten" aus fernen Ländern, neben Russland vor allem Afrika oder Ozeanien, sowie ein Blick zurück in Orient und Prähistorie.