Kein Handy, ein therapeutisches Trainingsgerät. Der "Scroll Master" von Antal Lakner. - © Antal Lakner
Kein Handy, ein therapeutisches Trainingsgerät. Der "Scroll Master" von Antal Lakner. - © Antal Lakner

Rucke di gu, Schweiß ist im Schuh

(cai) Für Schuhfetischisten wird in der Galerie Lidia Friedman ein Märchen wahr - "Aschenputtel". Gleich ein paar Dutzend Mal. Lauter anbetungswürdige einzelne Schuchis. "Was Aschenputtel einst verlor - wir haben es gefunden!" Äh, hat das nicht bereits ein gewisser Prinz gefunden? Und bloß einmal? Weil Aschenputtel nicht ihren kompletten Schuhschrank zurückgelassen hat?

Verspielt und zum Anhimmeln sind die Modelle von Helga Petrau-Heinzel. Selbst gehäkelt (nein, keine Babypatscherln) oder aus Papier. Einem Herrenschuh (der Prinz darf ja wohl schwul sein) hat sie gar ein Opfer dargebracht. Ein Bild von sich zerschnitten. Und in den Ballettschuh mit Mörderstöckel hat sie hyperrealistisch den Schweiß und den Schmerz der Ballerina hineingemalt.

Aschenputtel hat ja extrem zierliche Füße gehabt. In die putzigen Schuhe von Sereja Kandoian wäre aber nicht einmal der abgehackte große Zechen ihrer Stiefschwester reingekommen. Ungläubig bestaunt man die kleinen Meisterwerke, die alle Stückln spielen. (He, die Stiefeletten aus Kuhfell haben seitliche Stretcheinsätze!) Bevor der pensionierte Schuhmacher 1994 aus Georgien, aus einer Hafenstadt, nach Wien geflüchtet ist, hatte er seine detailverliebten Miniaturen immer den Seeleuten mitgegeben. Für deren Frauen und Freundinnen. ("Schatzi, welchen willst denn in groß?") Was? Früher hat er professionell geboxt? Und jetzt macht er aus der Spitze einer Autoantenne einen Stilettoabsatz. Ein Boxer mit sensiblen Händen.

Die Schuhe von Lidia Friedman sind schlichter, doch dafür tragbar. (Drum gibt’s jeweils zwei davon.) Das Besondere steckt im Detail: ein Schmuckelement oder ein exotisches Material (Straußenleder). Aus denen wäre Aschenputtel nicht so leicht rausgeschlapft.

Galerie Lidia Friedman
(Schulerstraße 22)
"Was Aschenputtel einst verlor. . ."
Bis 13. November
Mo. - Fr.: 13 - 18 Uhr

Das Gelbe vom Eiweiß

(cai) Weiß eigentlich irgendjemand wirklich, was genau diese ominöse "Wirtschaft" ist? Konzeptkunst? Eine Geheimgesellschaft (von Konzeptkünstlern)? Eine virtuelle Realität? Eine außerirdische Lebensform? Und nach einem Besuch der ziemlich komplexen Ausstellung "Subtle Patterns of Capital" (kuratiert von Barnabás Bencsik) kennt man sich noch weniger aus. Weil man noch mehr Fragen hat. Die Kunst ist ja nicht dazu da, Antworten zu geben. Die hinterfragt eher. (Und hier eben das Verhältnis zwischen Kunst und Kapital. Im Rahmen von "curated by_vienna". Kryptisches Motto heuer: "Tomorrow Today.")