Den Aufbruch in eine neue Kunstreligion wagten die Künstler der Romantik, weg von der Dominanz der Vernunft, die ohnehin durch die Napoleonischen Kriege Europa nach der Aufklärung abhanden gekommen schien. In Wien bildete sich die erste Sezession von der klassizistischen Doktrin der Akademien mit dem Lukasbund, der die Natur und nicht mehr die Antike zur Lehrmeisterin erklärte.

Wie sich die Abkehr von der Norm in einer Kunstrichtung hier und in Deutschland vollzog, die uns noch heute in Nachwehen begleitet, erzählt die von Christof Metzger kuratierte Ausstellung "Welten der Romantik" in der Albertina mit sensationellen Leihgaben. Sie beginnt mit einem Knalleffekt gegen die Vorstellung von idyllischer Landschaftsmalerei mit Francisco de Goyas Radierung "Der Traum der Vernunft gebiert Ungeheuer" und dem Ölbild "Der Koloss" aus dem Prado im Madrid zu seiner grafischen "Dummkopftorheit" aus den "Sprichwörtern".

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Nachtseiten der Vernunft

Daneben ist der "Traum des Hirten" des in England lebenden Schweizers Johann Heinrich Füssli nicht nur Paraphrase auf Shakespeares "Sommernachtstraum", sondern auch der Auftakt 1786 für das Zeigen der Nachtseiten der Vernunft. Neben der Wiederentdeckung der Religion, allerdings immer im Bunde mit einer beseelten Natur, sind es gefährliche Schluchten und Abgründe der Psyche, aus der alte Dämonen aufsteigen.

140 Werke kommen aus der Albertina, dem Kupferstichkabinett der Akademie und durch Leihgaben aus Hamburg, Berlin, Madrid, Zürich, St. Petersburg oder Leipzig, aber auch dem Wiener Belvedere. Die Idee geht auf Cornelia Reiter zurück, weshalb die Schau der im Sommer früh verstorbenen Romantikspezialistin als Andenken gewidmet wurde. 11 Räume und fast so viele Kapitel verfolgen die neuen Ideen, die sich durch ganz Europa schnell verbreiteten - egal ob im protestantischen Norden oder im katholischen Süden. Nachdem die Lukasbrüder Wien in Richtung Rom verlassen hatten, kam es zu einer kombinierten Dürer- und Raffael-Renaissance, die sich dazu mit tiefer Religiosität und neuem Patriotismus äußerte. Die durch ihre langhaarigen Porträtköpfe auffallend alternative Gruppe wurde in Italien als "Nazarener" verlacht, doch ihre neue Mode und die Rückkehr zur religiösen Historie, aber auch zur Gotik mit Habsburglegenden oder Nibelungensage statt Ovid, machten Schule. Interessant sind an ihren Illustrationen zur Bibel oder zu Dantes "Göttlicher Komödie" die keuschen Frauenakte und schlanken Jünglinge, egal ob bei Leopold Kupelwieser, Schnorr von Carolsfeld oder Friedrich Overbeck. Der einsame Mensch in einer Mischung von unwirtlicher äußerer und noch schrecklicher innerer Natur ist daneben in den Werken Moritz von Schwinds bedrohlichen Mythen ausgesetzt.