Sie akzeptierte alles, was er tat. Er tat, worum auch immer sie ihn bat. So beschrieb die schwedische Journalistin Eva von Zweigbergk einst die kreative Zusammenarbeit zwischen Estrid Ericson (1994-1981) und Josef Frank (1885-1967). Ab 1934 schufen die beiden einen Einrichtungsstil, der nicht nur die schwedische Moderne beflügelte, sondern bis heute aufgrund seiner Zeitlosigkeit international als bemerkenswert gilt. Was Ericson und Frank
verband, war die bestechend simple Feststellung, dass sich ein modernes Heim durch Bequemlichkeit und Wohlbehagen auszeichnen und auf die individuellen Bedürfnisse seiner Bewohner zugeschnitten sein müsse - eine Auffassung, die damals als abwegig galt, dominierten doch Sachlichkeit und Zweckform in Architektur und Design, galt namentlich der Funktionalismus als einzig ernst zu nehmende Gestaltungsweise.

Wie aber kam die Verbindung zwischen der als Zeichenlehrerin ausgebildeten Schwedin und dem Architekten aus Wien zustande? Ericson, Tochter eines Gastronomen, entdeckte schon früh ihr Interesse für Dekor. 1924, im Alter von 30 Jahren, legte sie den Grundstein für ihr Unternehmen, das vor allem für exklusives Kunsthandwerk aus Zinn stand. Svenskt Tenn (schwedisches Zinn), so denn auch der Name der Firma, avancierte rasch zur Qualitätsmarke und zum Inneneinrichtungshaus. Denn das Sortiment wurde zunehmend um schwedisches Möbeldesign erweitert.

Führender Kopf der Wiener Moderne

Josef Frank galt zu diesem Zeitpunkt bereits als einer der führenden Köpfe der Wiener Moderne. Bereits seit den 1910er Jahren etablierte er gemeinsam mit Kollegen, allen voran Oskar Strnad und Oskar Wlach, mit denen er 1925 das Einrichtungshaus "Haus & Garten" gründete, eine neue, undogmatische Auffassung von moderner Architektur und modernem Interieur. Diese stand einerseits in ganz deutlicher Opposition zum Gesamtkunstwerk-Denken der Wiener Werkstätte, lehnte andererseits aber auch den puren Funktionalismus und die Maschinenästhetik, die damit
einhergehende Normierung und Systematisierung wie sie die internationale Avantgarde großteils vertrat, ab.

Von außen betrachtet, weisen Franks Architekturen, seien es Einfamilienhäuser, Villen oder soziale Wohnbauten, durchaus funktionalistische Tendenzen auf, was in Anbetracht seiner vehementen Kritik am Funktionalismus widersprüchlich erscheinen mag. Doch verstand Frank von jeher Außen und Innen als etwas strikt voneinander Getrenntes. Was er seiner Zeitgenossen wie etwa Le Corbusier und Walter Gropius vorwarf, war, dass sie das sachliche System des Gebäudeentwurfs zugunsten der Einheitlichkeit zwanghaft auf die Ausstattung der Innenräume übertrugen. Unter "modern" verstand er nämlich Qualitäten wie Handlungsfreiheit und Zwanglosigkeit. Jede Form der ästhetischen Gleichschaltung lehnte er dementsprechend kategorisch ab. Stahlrohrmöbel, Symmetrien und sterile quadratische Anordnungen waren ihm ein Dorn im Auge. Eine Wohnung musste organisch anmuten, Flexibilität zulassen, sich nicht an den Räumen, sondern am Menschen orientieren.

Gegenstände, die nicht zusammenpassen


Farbenfrohe Polstermöbel mit Blumenmustern, ebenso lebendig gestaltete Vorhänge und Teppiche standen für ihn daher nicht im Widerspruch zu einer geometrisch strengen Architektur. Akzidentismus nannte er sein Designprinzip und meinte damit, dass man seine Umgebung so gestalten sollte, als wäre sie zufällig entstanden. So lässt sich erklären, warum bei Franks Möbel- und Textildesigns Neoklassizismus, Historismus, Wiener Jahrhundertwende, Adolf Loos, Arts&Crafts-Zitate, Orientalismus, Folklore und Anleihen bei der Malerei der Fauves eine nonchalante Verbindung eingehen konnten.

Diese mitunter wilde Mixtur muss es gewesen sein, die Estrid Ericson an Josef Franks Entwürfen faszinierte. "Das moderne Heim ist eine Mischung aus teureren und günstigeren Gegenständen, die nicht zusammenpassen müssen", pflegte sie zu sagen. Erstmals aufmerksam wurde sie auf den Wiener Gestalter allerdings aufgrund einer Esszimmergarnitur, die im Vergleich zu anderen Möbeldesigns Franks ausnehmend schlicht gestaltet war und die sie 1921 im Haus von Freunden, die in den 1910er Jahren in Wien gelebt hatten, entdeckte.

Als das Ensemble in Stockholm ankam, soll es bei einigen Kopfschütteln ausgelöst haben. Als ästhetisch viel zu einfach, gar karg, wurde es empfunden, um "den ganzen Weg von Wien" hierher zu machen. Estrid Ericson jedenfalls war begeistert. Zu einer ersten Begegnung mit Frank könnte es 1925 im Rahmen einer großen
Designausstellung in Paris gekommen sein, wo beide mit ihren Unternehmen vertreten waren. Ein Brief Ericsons an Frank, in dem sie um Zusammenarbeit bat, blieb seinerseits lange unbeantwortet. Jahre später, als der Gestalter aufgrund seiner jüdischen Herkunft mit seiner Frau Anna, einer gebürtigen Schwedin, Österreich verließ, besann er sich des Angebots.

Die Franks kamen im Dezember 1933 in Stockholm an. Bereits im darauffolgenden Februar begann Josef Frank für Svenskt Tenn zu arbeiten. Ericson bot ihm eine einzigartige Plattform zur Umsetzung seiner gestalterischen Ideen. Er verhalf Svenskt Tenn mit seinen Möbel-, Lampen- und Textilentwürfen zum internationalen Durchbruch. Dabei brachte sich Ericson, als Firmengründerin mehr fürs Finanzielle zuständig, durchwegs auch kreativ in diverse Planungsprozesse ein, indem sie Möbel und Dekorationselemente zu räumlichen Settings arrangierte, die enorme Beachtung beim internationalen Fachpublikum erzielten.