London. (eb) Meisterwerk oder Meisterfälschung - das ist die Frage. Grundsätzlich stimmt alles bei dem Bild "La Bella Principessa": Der Maler, kein Geringerer als Leonardo da Vinci soll es gewesen sein, hat die dunkelblonde Schönheit im Profil erfasst, sie trägt ein rotes Kleid mit grünen Aufsätzen, ihr Zopf ist von einem Band umwunden, das von einer zeittypischen Hinterkopfhaube ausgeht.

Als das Bild im Jänner 1998 bei Christie’s in New York für 21.850 Dollar den Besitzer wechselte, galt es noch als Arbeit eines unbekannten deutschen Meisters. Erst 2010 schrieben es Experten Leonardo zu - einer von ihnen war der extrem skeptische Martin Kemp von der Universität Oxford.

Shaun Greenhalgh findet das indessen höchst amüsant. Greenhalgh ist ein meisterhafter Kunstfälscher, der reihenweise Museen, Sammler, Auktionshäuser und Experten getäuscht hat: "Ich habe dieses Bild 1978 gemalt, als ich bei Co-op gearbeitet habe", sagt er jetzt. Co-op ist eine britische Supermarktkette, die dort angestellte Kassierin Sally soll das Modell für die Prinzessin gewesen sein.

Greenhalgh behauptet, er habe auf alter Leinwand mit alten Pigmenten gemalt - was erklären würde, weshalb bei den wissenschaftlichen Untersuchungen an dem Bild keine Alarmlichter aufleuchteten. Was Greenhalgh indessen nicht erklären kann: Wie ein Leonardo zugeschriebener Fingerabdruck auf das Bild kommt.

Eine paradoxe Situation: Während sonst der Fälscher das Bild als echt ausgibt und die Experten von Fälschung reden, behaupten hier die Experten, das Bild sei echt, nur der Fälscher redet von Fälschung. Hat er recht, ist das Werk schlagartig 100 Millionen Euro weniger wert. Jetzt sucht man die Supermarkt-Sally, die alles aufklären könnte. Und hofft, dass sie, wenn schon keine Fälschung, so eine Erfindung des Fälschers ist.