Februar 1916. Europa ertrinkt im Blut.In Verdun beginnt der Stellungskrieg, der sich ohne wesentliche Veränderungen des Frontverlaufes bis Dezember hinzieht und Hunderttausende das Leben kostet. Militärisch ein völlig sinnloses Unterfangen, menschlich sowieso.

Diese Sinnlosigkeit erhob man im Züricher Cabaret Voltaire zum Prinzip. In dem Künstlerlokal in der Spiegelgasse 1 entstand eine Bewegung, die dem Nihilismus der Zeit huldigte: Dada. Hugo Ball, Tristan Tzara, Marcel Janco, Hans (Jean) Arp, Sophie Taeuber-Arp, Emmy Hennings und Richard Huelsenbeck wollten schlichtwegs alles, was gesichert erschien, infrage stellen - und dazu war ihnen jedes künstlerische Mittel recht.

Auswege sahen sie keine.Im Nationalismus sowieso nicht, auch nicht im Bolschewismus, dessen Führungsfigur Lenin 1916 vis-à-vis des Dadaisten-Treffs den Umsturz in Russland plante.

Doch Planung, Strukturen, Vernunft, das erschien den Dadaisten sinnlos angesichts des Zustands der Welt. "Kant — das ist der Erzfeind, auf den alles zurückgeht. Mit seiner Erkenntnistheorie hat er alle Gegenstände der sichtbaren Welt dem Verstande und der Beherrschung ausgeliefert", formulierte Hugo Ball.


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Hundert Jahre danach erinnert das wieder eröffnete Cabaret Voltaire 165 Tage lang an die Revolte des Sinnlosen. Täglich steht ein Mitglied der Bewegung im Fokus, die bald im Surrealismus mündete, aber auch die politische Kunst der Weimarer Republik stark beeinflusste. Das zeigen schon die Namen André Breton, Francis Picabia, Marcel Duchamp ((Rrose Selavy), Max Ernst, Kurt Schwitters, George Grosz und John Heartfield.

Die Schweizer Malerin und Tänzerin Sophie Taeuber-Arp wird mittels kubistischem Dada-Tanz geehrt. Als Angebot zur Meditation wird das "Schwarze Quadrat" gezeigt, die Ikone der Moderne des russischen Avantgarde-Malers und Konstruktivismus-Wegbereiters Kasimir Malewitsch.

An den deutsch-französischen Maler und Lyriker Hans Arp wird am 20. Mai erinnert. Mit der Rezitation seines verstörenden Gedichts "Die Schwalbenhode". Kostprobe: "die edelfrau pumpt feierlich wolken in säcke aus leder und stein - lautlos winden riesenkräne trillernde lerchen in den himmel - die sandtürme sind mit wattepuppen verstopft".

"Dada ist kein Stil, sondern eine Behauptung", heißt es im "Dada Hand Buch" des Cabaret-Voltaire-Direktors Adrian Notz und des Designers Yael Wicki. "Dada hat alle damals bestehenden Avantgardeströmungen wie den Expressionismus, den Futurismus und den Kubismus in sich aufgenommen - und verdaut oder unverdaut wieder von sich gegeben."

Lautgedicht von Hugo Ball, vorgetragen in passender Adjustierung - © Dada Almanach 1920; unbekannter Fotograf - Creative Commons
Lautgedicht von Hugo Ball, vorgetragen in passender Adjustierung - © Dada Almanach 1920; unbekannter Fotograf - Creative Commons

Zu den Resultaten gehörten Gedichte in frei erfundenen "Lautsprachen", die niemand im eigentlichen Sinne verstehen konnte. Als Kunstwerk ging (und geht) für Dadaisten allemal auch die Pissoir-Schüssel durch, die 1917 von Marcel Duchamp unter dem Namen "Fontäne" als solches deklariert wurde.

Längst nicht nur beim Cabaret Voltaire ist man sich der Tatsache bewusst, dass Zürich vor 100 Jahren zur Geburtsstätte einer internationalen Bewegung wurde, die bald auch Künstler in Berlin und Köln, in Paris, New York und selbst in Lateinamerika und Japan inspirierte. Eine Kunstrichtung, auf die später auch die Schöpfer des Surrealismus, der Pop-Art und des Punk zurückgreifen sollten.

Deshalb ist es kein Wunder, dass etliche Zürcher Institutionen sich 2016 mit Dada beschäftigen. Vom Kunsthaus über das Landesmuseum und die Universität bis zum Museum Rietberg und dem Tanzhaus Zürich. Die Zürcher Festspiele mit Opern- und Schauspielhaus kommen nicht an Dada vorbei und erst recht nicht die elfte Ausgabe der europäischen Biennale für zeitgenössische Kunst, die Manifesta 11, die von Juni bis September in Zürich über etliche Bühnen gehen wird.

Doch Planung, Strukturen, Vernunft, das erschien den Dadaisten sinnlos angesichts des Zustands der Welt. "Kant — das ist der Erzfeind, auf den alles zurückgeht. Mit seiner Erkenntnistheorie hat er alle Gegenstände der sichtbaren Welt dem Verstande und der Beherrschung ausgeliefert", formulierte Hugo Ball.

Hundert Jahre danach erinnert das wieder eröffnete Cabaret Voltaire 165 Tage lang an die Revolte des Sinnlosen. Täglich steht ein Mitglied der Bewegung im Fokus, die bald im Surrealismus mündete, aber auch die politische Kunst der Weimarer Republik stark beeinflusste. Das zeigen schon die Namen André Breton, Francis Picabia, Marcel Duchamp ((Rrose Selavy), Max Ernst, Kurt Schwitters, George Grosz und John Heartfield.

Die Schweizer Malerin und Tänzerin Sophie Taeuber-Arp wird mittels kubistischem Dada-Tanz geehrt. Als Angebot zur Meditation wird das "Schwarze Quadrat" gezeigt, die Ikone der Moderne des russischen Avantgarde-Malers und Konstruktivismus-Wegbereiters Kasimir Malewitsch.

An den deutsch-französischen Maler und Lyriker Hans Arp wird am 20. Mai erinnert. Mit der Rezitation seines verstörenden Gedichts "Die Schwalbenhode". Kostprobe: "die edelfrau pumpt feierlich wolken in säcke aus leder und stein - lautlos winden riesenkräne trillernde lerchen in den himmel - die sandtürme sind mit wattepuppen verstopft".

"Dada ist kein Stil, sondern eine Behauptung", heißt es im "Dada Hand Buch" des Cabaret-Voltaire-Direktors Adrian Notz und des Designers Yael Wicki. "Dada hat alle damals bestehenden Avantgardeströmungen wie den Expressionismus, den Futurismus und den Kubismus in sich aufgenommen - und verdaut oder unverdaut wieder von sich gegeben."

Zu den Resultaten gehörten Gedichte in frei erfundenen "Lautsprachen", die niemand im eigentlichen Sinne verstehen konnte. Als Kunstwerk ging (und geht) für Dadaisten allemal auch die Pissoir-Schüssel durch, die 1917 von Marcel Duchamp unter dem Namen "Fontäne" als solches deklariert wurde.

Längst nicht nur beim Cabaret Voltaire ist man sich der Tatsache bewusst, dass Zürich vor 100 Jahren zur Geburtsstätte einer internationalen Bewegung wurde, die bald auch Künstler in Berlin und Köln, in Paris, New York und selbst in Lateinamerika und Japan inspirierte. Eine Kunstrichtung, auf die später auch die Schöpfer des Surrealismus, der Pop-Art und des Punk zurückgreifen sollten.

Deshalb ist es kein Wunder, dass etliche Zürcher Institutionen sich 2016 mit Dada beschäftigen. Vom Kunsthaus über das Landesmuseum und die Universität bis zum Museum Rietberg und dem Tanzhaus Zürich. Die Zürcher Festspiele mit Opern- und Schauspielhaus kommen nicht an Dada vorbei und erst recht nicht die elfte Ausgabe der europäischen Biennale für zeitgenössische Kunst, die Manifesta 11, die von Juni bis September in Zürich über etliche Bühnen gehen wird.