20 Jahre nach der von Zaha Hadid am Karlsplatz inszenierten Festwochenausstellung "Wunschmaschine Welterfindung" stellt sich die Kunsthalle wieder dem Thema der technischen Entwicklung und der künstlerischen Reflexion auf die damit verbundenen sozialen Veränderungen in der Gesellschaft.

Kuratorin Anne Faucheret musste für "The Promise Of Total Automation" nicht nur mit ihrem Budget anders umgehen als in üppigen Zeiten wie 1996, sondern auch die Genese der digitalen Lebenswelten der letzten Jahrzehnte mit großteils Beispielen aus der Gegenwartskunst abhandeln. Zwar ist sie bereits ein "Digital Native", aber die Fragen der totalen Automatisierung sind nicht neu, weshalb auch sie mit einigen wissenschaftlichen Exponaten im Industriezeitalter ansetzt. Sie erwähnt Franz Anton Mesmer, dessen Geräte zum "animalischen Magnetismus" die Köpfe von Franz Xaver Messerschmidt inspirierten, aber auch Thomas Edison und zeigt einen ersten automatischen Webstuhl, einen Morseapparat von 1849, aber auch einen Personal Computer von 1981.

Bedrohung durch Geräte

Dem entsprechend sind Werke von Künstlern, die ab 1965 über die Automatisierung nachdachten, gegenübergestellt wie der hyperrealistische Maler Konrad Klapheck. Er pinselt mit glatter Oberfläche Maschinen, sein Beispiel "Der Chef" zeigt auch, dass der Mensch aus diesen Welten ausgeschlossen ist. Damit ist die Bedrohung durch das Gerät und die damit verbundene Anfälligkeit als Herrschaftsinstrument in unseren posthumanistischen Zeiten schon vor 50 Jahren sichtbar.

Doch nicht alle Künstler kritisieren, auch die Utopien einer Roboterwelt faszinieren immer noch, die Cyborgs allerdings sind nahezu verschwunden, aber unsere Gesten am Smartphone bereits Teil der Spieltheorie und Regelungsautomatik. Peter Halleys scheinbar konstruktive Acrylbilder verhandeln in Leuchtfarbe den "Total Recall" oder das Gefangensein im "Electric Slide" ohne dekorativ zu sein. Es ist die flache Neo-Geo-Raumwelt einer postindustriellen Gesellschaft, die sich isoliert der totalen Kommunikation des Internets hingibt.

Die "Sabots" von Tyler Coburne dagegen sind kopierte Arbeiterschuhe aus dem 3D-Drucker, die auf die Sabotage verweisen. Mit dem Werfen des Holzschuhs wurde die Maschine gestoppt. Das durch die Junggesellenmaschinen der Surrealisten in der Kunst stark männlich besetzte Thema, wird seit 1964 von Künstlerinnen unterwandert. So ist das Foto eines "Alphabets" aus dem Werkzeugkasten von Běla Kolářová ein ironischer Ansatz außerhalb der sozialistischen Realität in Prag.

Judith Fegerl hat mit "Amnion" 2007 und 2013 maschinell gewachsene Objekte aus Schafwolle und Paraffin in einem wochenlangen Prozess aus selbst gebauter Strickmaschine entstehen lassen, wobei die im männlichen Prinzip fehlende Körperlichkeit das Anorganische weich ergänzt. Objekte wie diese wechseln sich mit anderen aus Neon und Soundinstallationen ab, mit Filmen und ein eigenes Display zum Thema von Harry Doge teilt den Raum und zeigt nur wie Dinge präsentiert werden: So wird die Ausstellung selbst zur Maschine aus lauter Einzelteilen.

Scheibenwischer plus Sound

Kritisch gegenüber der Technik versetzte der Naturanarchist, Ted Kaczynski, bekannt als "Unabomber", die USA von 1978 bis 1995 in Angst und Schrecken. James Benning hält im Video "Stemple Pass" neben dem Manifest des Sonderlings sein abgeschiedenes Leben in den Wäldern fest. In der 1995 in Zeitungen gedruckten Schrift warnte der Attentäter vor der weiteren Technisierung. Thomas Bayrle handelt ironisch mit zwei sich bewegenden Scheibenwischern plus Sound, "Kleiner koreanischer Wiper", die Ästhetik maschineller Produktion ab. Für ihn ähnelt das Innere von Motoren der Großartigkeit von Kathedralen. So gesehen kann sich die Kunst dadurch weiter inspirieren.