An der Wand ein Witz: "Ein Jude kehrt von seiner Wienreise heim. Er erzählt, was er gesehen hat. ,Den Nordbahnhof, die Praterstraße, das Carltheater.‘ - ,Und die Hofburg und das Burgtheater hast du nicht gesehen?‘-,Nein, in die äußeren Bezirke bin ich nicht gekommen.‘" Dieser Witz bringt die neue Ausstellung im Wiener Jüdischen Museum gut auf den Punkt. Die beleuchtet zum 250-Jahr-Jubiläum des Praters "Wege ins Vergnügen. Unterhaltung zwischen Prater und Stadt". Sie legt den Fokus auf die jüdische Leopoldstadt, genauer gesagt auf Praterstraße und Taborstraße, und ihre üppige Geschichte, was Varietés, Theater und Cafés angeht. Es ist eine betont unterhaltungslastige Geschichte, auch inhaltlich weit weg vom Burgtheater im "Außenbezirk". Aber so inselhaft, wie in dem Witz das jüdische Viertel dargestellt wird, so ist auch die Ausstellung als historische Insel angelegt - wer Brücken in die Gegenwart erwartet, wird enttäuscht.

In einem einzigen Raum des Museums stehen also ein paar Tische, die an ein Kaffeehaus erinnern. Auf den Tischen sind Fotos, Programme, Sitzpläne zu sehen. Von der Decke hängen Zeitungshalter mit den Informationen über die Exponate. Auch die Lokalitäten - etwa das Roland Theater, der Nestroyhof oder das Hotel Central - und einzelne Protagonisten werden darin vorgestellt. Leider ist die Beleuchtung nicht optimal, um Empfehlungsschreiben und Engagementbrief eines gewissen Hans Moser, der seine Karriere Anfang des letzten Jahrhunderts in jüdischen Theatern gestartet hat, lesen zu können, muss man sich schon Mühe geben.

Expression und Schtetl


Doch die Schau will auch an eine vergessene Kulturszene erinnern. Etwa an Jargonkomikerstars wie Heinrich Eisenbach und Gisela Werbezirk. Ersterer ist auch via Schellackaufnahme kennenzulernen - solche veranschaulichen das Sprachenbabel im Viertel: von Deutsch über Jiddisch und "Jüdeln" zu Hebräisch.

Von der expressionistischen Tänzerin Gertrud Kraus über freizügiges Varieté bis zu Vorstellungen des Schtetl-Stücks "Der Dibbuk" - das Spektrum war groß in diesem Unterhaltungsviertel vor den Toren des Amüsierviertels.

Die Kuratorinnen Brigitte Dalinger und Lisa Noggler geben zu, dass es schwierig ist, "Vergnügen auszustellen" - es ist ihnen leider nur in Ansätzen gelungen. Das ist schade, weil die hübsche Gestaltung durchaus Herzblut zeigt. Nichtsdestotrotz wird zu viel nur rasch angerissen, die jüdische Geschichte des Riesenrads ganz ignoriert. Bei der Präsentation erzählte Direktorin Danielle Spera, dass ein Gespräch mit Susanne Passweg sie auf die Idee zur Schau gebracht hat. Passwegs Vater, ein jüdischer Textilhändler, der den Krieg als "U-Boot" überlebt hatte, kaufte die arisierten Anteile der Liliputbahn zusammen. Eigentlich auch eine spannende Geschichte. In der Ausstellung kommt sie nicht vor.

Ausstellung

Wege ins Vergnügen

Jüdisches Museum Wien, bis 18.9.