Fit für den Walkürenritt: Franz Kapfer weiß, zu welcher Musik die Löwen vom Alexanderbrunnen in Skopje brüllen. - © Bildrecht Wien 2016
Fit für den Walkürenritt: Franz Kapfer weiß, zu welcher Musik die Löwen vom Alexanderbrunnen in Skopje brüllen. - © Bildrecht Wien 2016

Die Aura der ungemalten Bilder

(cai) Ein Gemälde herzustellen ist ganz leicht. Man nehme einen Keilrahmen, ein Stück Stoff, und dann kommt die Farbe drauf. Signieren und fertig. Und wer noch immer nicht genug hat, kann das Ganze ja noch einrahmen.

David Hanvald verwendet genau die gleichen Zutaten wie die meisten anderen Maler (Holz, Leinwand, Farbe). Aber er probiert gern ein paar interessante, neue Rezepte aus. (Auch wenn da eine gehörige Portion Kunstgeschichte drin steckt: Minimalismus, Analytische Malerei . . .) Mischt alles sehr verspielt zusammen. Eine Wand zu streichen, das ist doch keine Kunst, oder? Wohl. In der Kerstin Engholm Galerie ist jedenfalls das Werk eines anonymen Malers und Anstreichers ausgestellt. Da wird eine Stelle an der Wand kurzerhand eingerahmt. Na ja, halt ein leerer Bilderrahmen aufgehängt. Oder ist der das Bild? Hanvald hat ihn nämlich mit Leinwand überzogen und mit gezielten Pinselstrichen Akzente gesetzt. Wie er überhaupt mit wenigen kontrollierten Gesten auskommt und den Betrachter mit einem strahlenden, beinah kitschigen Kolorit verführt. Räumt der Künstler bloß mit dem Vorurteil auf, der Rahmen müsse unbedingt außen sein und das Bild innen?

Scheinbar weiße Leinwände haben bei ihm eine mysteriöse bunte "Ausdünstung". Die Aura der ungemalten Bilder? Nein, Reflexionen an der Wand. Wer sagt denn, dass die Farbe auf der Leinwand sein muss? (Also: vorn.) Und perspektivisch verzerrte Tafelbilder machen dem Hirn vor, der Blick würde nicht frontal drauffallen, sondern schräg. Die reduzierte Illusionsmalerei verstärkt noch die optische Täuschung. Mit minimalen Mitteln maximale Spannung und Irritation zu erzeugen, das ist auf jeden Fall eine Kunst.

Kerstin Engholm Galerie
(Schleifmühlgasse 3)
David Hanvald
Bis 7. Mai
Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr
Sa.: 12 - 16 Uhr

Unter der Erde gibt’s keine Engerln

(cai) Alles nur Theater. Noch dazu ein Potemkinsches. Die Skulpturen sind Pappkameraden mit nix dahinter. Und der Louvre ist . . . eine Pawlatschenbühne? (Weil die Vase, die von dort stammen soll, ist bloß bemaltes Sperrholz.) Nein, er ist "a Raumschiff Enterprise der Geschmacksvorlagen". Was auch immer der Steirer Franz Kapfer damit gemeint haben mag.

Im GPLcontemporary: Überall Kulissen mit handfestem Heimwerker-Charme. Es ist trotzdem kein Steirerwitz, wie Kapfer den neuen Alexanderbrunnen aus Skopje nachempfindet (das hohle Pathos), wo Alexander der Große in den mazedonischen Himmel reitet (was die Griechen gar nicht freut). Improvisierte Springbrunnen (Kübel, Wasser, Pumpe) mit aufgespießten Löwenköpfen. Dazu als Soundtrack: der "Walkürenritt" (wie am Originalschauplatz).

Die Galerieräume sind wie geschaffen für Theatralik. Tief geht’s in den Keller runter. Ins Reich der Schatten. Das ist von "Killerviren" befallen (xenophobe Gitter mit brutalen Spitzen). Bewegungsmelder steuern die dramatische Beleuchtung. Fast unheimlich ist die Thujenattrappe. "Für mich sind Thujen V2-Raketen, die darauf warten, abgeschossen zu werden." (Im Regietheater eh kein Problem.) Das komplexe, desillusionierende Stück, das hier aufgeführt wird ("Mein Drama" steht da in "Mein Kampf"-Fraktur), ist hochaktuell. Trotz Alexander, Napoleon und Hitler in den Hauptrollen.

Und unterm Hades (im Tartaros?): Ulrich Seidl. Strenge Kamerabilder aus dem Film "Im Keller". Laiendarsteller spielen sich ungeniert selbst und sind in ihren privaten, bizarren Paradiesen, die sie sich unter Tage eingerichtet haben, echt keine Engerln. Schonungslosigkeit mit ästhetischem Anspruch. Und perfekt symmetrisch.

GPLcontemporary
(Sonnenfelsgasse 6)
Franz Kapfer und Ulrich Seidl
Bis 23. April
Di. - Fr.: 10 - 18 Uhr
Sa.: 10 - 16 Uhr