Die letzte Sammlungspräsentation des Essl Museums im eigenen Haus behandelt mit "Body & Soul" einerseits deren inhaltliche Stärken, andererseits kann sie durchaus als die zeitliche Fortsetzung der aktuellen Mumok-Schau "Körper, Psyche und Tabu" in der Gegenwartskunst gesehen werden.

Den Angelpunkt bilden wichtige Fotozyklen der Wiener Aktionisten und ein Hauptwerk von Valie Export. Einen Rückblick auf den weiblichen Akt als Tabubruch bilden Herbert Boeckls nackte Schwangere "Donna Gravida" von 1930/31 und Anton Koligs "Männlicher Akt" von 1920. Im Ganzen wird sichtbar, dass der Körper heute als Thema weit über der Seele steht, jedoch ist die existenzialistische Seite 1950-1990 in mehreren Kapiteln angesprochen und verweist vor allem auf einen leidenden, hässlichen und sich gleichzeitig befreienden Körper. Dabei spielen die Werke der Künstlerinnen, von Maria Lassnig über Elke Krystufek, Ilse Haider bis Nan Goldin eine entscheidende Rolle. Die Seele ist aber auch in Adolf Frohners gebundenen Frauen und in den frühen Nabelschnurgesellen eines Franz Ringel, trotz Amputationen und pornografischen Anspielungen, als Aufarbeitung der Gräuel des Zweiten Weltkriegs enthalten.

Von den "Wirklichkeiten" wie von Maria Lassnigs "Body Awareness-Painting" haben die Essls beste Beispiele gesammelt, die mit den Deutschen Georg Baselitz und Jörg Immendorf, Francesco Clemente und den Skulpturen von Marc Quinn und Paul McCarthy international ergänzt werden. Liebespaare und Traumspiele sind in unseren Tagen wenige zu finden, aber Robert Zeppel-Sperl, Gudrun Kampl oder Ronald Kodritsch weisen auf eine lustvolle und ironische Seite hin.

Märchen und kühler Blick

Der Mexikaner Daniel Lezama ergänzt sogar in Richtung Antikenrezeption mit seiner auf Aristoteles reitenden Phyllis, allerdings sind beide hier Vertreter einer indigenen Minderheit. Herwig Zens bedient den schmerzlichen Mythos von "Apoll und Marsyas", anders als Daniel Richter seine Märchen oder der kühle Blick von Martin Schnur, der den gestylten Körper im schicken "Setting" auftreten lässt. Dazu weisen die Affektstudien von Muntean & Rosenblum auf eine gefährliche Langeweile unter Jugendlichen hin. Inhaltliche Bögen lassen sich zwischen Themen und Generationen ziehen, so folgt auf die Selbstzerstörung eines Günter Brus mit seiner "Zerreißprobe" die Peinlichkeit eines Video-Selbstporträts von Peter Lands als entspannter Alltagstänzer von 1994.