Gral für Schleimer? Thomas Feuersteins Apparat pumpt "Sternenrotz". (Für Sternenstauballergiker geeignet.) - © Galerie E. & K. Thoman
Gral für Schleimer? Thomas Feuersteins Apparat pumpt "Sternenrotz". (Für Sternenstauballergiker geeignet.) - © Galerie E. & K. Thoman

Optischer Aufheller

mit fünf Buchstaben

(cai) Haben die denn gar keine Angst, dass sie mit ihrer Ausstellung Kriminelle anlocken könnten? (Nämlich solche, die mit ihren Aktionen gern den Zugsverkehr lahmlegen.) Das müssen ja ein paar Kilometer Kupferdraht sein! Oder ist das eine Falle? Und wenn diese dreisten Kupferdiebe sich die verführerisch glänzenden Köder anschauen kommen und ihnen nicht widerstehen können, sperrt man die Tür von außen zu?

Eher unwahrscheinlich. Die formal schlichten, aber extrem aufwändig erzeugten Flechtwerke von Antonella Zazzera dürften vielmehr hinter ihm her sein: Optischer Aufheller mit fünf Buchstaben. (Licht.) Monet hat im Heuhaufen bekanntlich keine Nadel gesucht, sondern einen Lichtstrahl (und gleich mehrere davon gefunden). Und in der Galerie Frey kann man nun ebenfalls impressionistische Lichtspiele beobachten. Das Licht verfängt sich im dichten, streng frisierten Kupfergewebe wie im gepflegten Haar der Shampoo-Werbung. Erzeugt einen lebendigen Schimmer. Kitzelt alle Farbnuancen heraus. Es wäre naheliegend, die Wandgebilde in einem Friseursalon zu montieren.

Mich machen sie hungrig. (Nicht, dass ich eine Haarfetischistin wäre, die total auf Haare in der Suppe abfährt.) Besonders wenn sie sich wie Palatschinken einrollen. Oder wenn sich "Spaghetti" (oh, emailliertes Alu!) appetitlich um ein Loch herumwickeln wie die Nudeln um eine Gabel. Musikalisch sind die Objekte sowieso. Streichinstrumente, auf denen das Licht virtuos das titelgebende Stück spielt: "The rhythm of light." Ja, die lockereren Gespinste, in denen etwas Papier picken geblieben ist, geben eher Basstöne zum Besten. Werfen markante grafische Schatten. Zeigen uns die reizvolle Schattenseite des Lichts. (Klingt unanständig, ist es aber nicht.)

Galerie Frey

(Gluckgasse 3)

Antonella Zazzera, bis 11. Mai

Mo. - Fr.: 11 - 18.30 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr

Es wird a

Schleim sein . . .

(cai) . . . und mir wer’n nimmer sein. Zumindest werden wir nicht mehr unseren knackigen Aggregatzustand haben (den festen). Aber eh nur, wenn die "Accademia dei Secreti" Recht behält, eine Geheim-, nein: Schleimgesellschaft (Sekretion statt Diskretion), die sehnsüchtig auf den Anbruch der Schleimzeit wartet. (Eine Gesellschaftsutopie. Ein schrankenloses soziales Schlatzwerk.)

Was in der Galerie Thoman so beschaulich eklig an akuter Rhinitis leidet, dürfte deren Heiliger Gral sein. In dieser Mischung aus Bioreaktor und Zimmerbrunnen kursiert trotzdem nicht der im Labor kultivierte Schnupfen von Thomas Feuerstein, obwohl seiner doch genauso gut ist wie jeder andere, jetzt wo wir offenbar alle saftiger Sternenrotz sind und kein trockener Sternenstaub mehr. Sollte nun jemand spontan der Sekte beitreten wollen und kosten: Er wird keine rosa Elefanten sehen. Ätsch, das ist nicht die eucharistische Speise P+! Bei der Produktion der Droge fällt lediglich viel Schleim an.

Eine Darstellung des Moleküls P+ (der kleinsten Skulptur der Welt, deren Sockel quasi der Körper des Junkies ist) befindet sich daneben. Witzigerweise besteht sie komplett aus dem literarischen Text "Sternenrotz". Thomas F., dieser gelehrte, unermüdlich forschende Laborkünstler, der den Schleimkult natürlich erfunden hat, bettet das Rezept für sein P+ in eine surreale Handlung ein. (Genetiker wird von fremdem Gen "besprungen" und mutiert zum Messias mit fleißigen Drüsen, der die Mumie Mensch mit Feuchtigkeit versorgt.) Ich empfehle, sich die Sci-Fi-Geschichte (intellektuell anspruchsvoll, mit Anflügen von hochpoetischer Sprache) von der Homepage der Galerie runterzuladen (www.galeriethoman.com) und gar nicht erst zu versuchen, diesen Text in Molekülform zu entziffern.

Feuerstein verbindet Wissenschaft und Kunst zu einem aufregenden OEuvre. Selbst wenn er ein Hirn aus Zucker formt, den er vorher aus geistiger Nahrung gewonnen hat (aus Buchseiten), genügt alles hohen ästhetischen Ansprüchen. Bereichernd. Der Titel der Schau übertreibt echt nicht: "The World."

Galerie Elisabeth &

Klaus Thoman

(Seilerstätte 7)

"The World", bis 23. April

Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr