Oliver Laric diskutiert in seinem Werk nicht zuletzt auch das Urheberrecht: Für seinen Beethoven bekam er von der Stadt Leipzig keine Erlaubnis zum Scan. - © Iris Ranzinger
Oliver Laric diskutiert in seinem Werk nicht zuletzt auch das Urheberrecht: Für seinen Beethoven bekam er von der Stadt Leipzig keine Erlaubnis zum Scan. - © Iris Ranzinger

Max Klingers Beethovenstatue ist zurück im Hauptraum der Secession: etwas kleiner als 1902, weiß und nicht polychrom, mit 3D-Drucker erzeugt nach 300 Fotografien über Computerprogramm.

Wie die anderen "Photoplastiken" von Oliver Laric aus seinem Wiener Repertoire ist dieser Beethoven mit einem im Katalog angegebenen Download nun für alle verfügbar, die sich die Kosten für einen solchen Ausdruck (bei der Größe an die 5000 Euro) leisten wollen. In kleiner Ausgabe ist man schon mit 50 Euro dabei.

Kunst für alle, auch aus dem öffentlichen Raum gibt es mit der Frauenrechtlerin Auguste Fickert (Denkmal von Franz Seifert 1929) und einer Veronika, mit dem "Jüngling vom Magdalensberg", mit Fälschungen nach der Antike und Antikenkopien aus dem Gipsmuseum der Universität und zuletzt auch mit dem Selbstbildnis des 3D-Verfahren-Erfinders François Willème neben Sphingen und Krustentieren.

Mix von Epochen
und Methoden

Dazu könnten auch die Materialien vielfältiger nicht sein: Marmorierte Güsse aus Polyurethan, Galvanoplastik und Aluminium sind neben Kunstharzen dabei. Laric interessiert sich weniger für die Kunstmethode der Aneignung, auch der soziale Akt von Joseph Beuys mit "Kunst für alle" schimmert nur am Rande durch. Es ist einmal mehr der Kulturwissenschaftler Aby Warburg Hauptanregung für sein offenes Archiv.

Der 1981 in Innsbruck geborene und in Berlin lebende Künstler begann mit dem Museumsprojekt von Lincoln in England als erstem öffentlich zugänglichen 3D-Archiv; großer Beachtungserfolg ließ ihn mit weiteren Museen kooperieren. In Wien sind es die Albertina, das Kunsthistorische Museum, das Archäologische Institut und der Skulpturenpark im öffentlichen Raum.

Laric mixt Epochen wie Methoden, sieht seine Auswahl mehr als Netzkunst, denn für Galerien, weil sie sich durch die Wahl der User erst kreativ entfaltet. Dabei stehen nicht nur der Kunstmarkt und die Ausstellungshäuser auf dem Prüfstand, sondern auch das Copy & Paste-Verfahren als rechtliche Herausforderung der EU für sich; so erteilte Leipzig für den ortgebunden wichtigen Beethoven von Klinger, trotz abgelaufenen Urheberrechts, keine Erlaubnis zum 3D-Scan; deshalb ist dieser nach Fotografien und nicht dem Original abgenommen.

Denkbewegungen treiben auch den Zeichner und Fotografen Gerald Domenig um; der 1953 in Villach geborene und in Frankfurt lebende Künstler untersucht mit "Awåragaude?" Perspektiven, Hängungen und komplexen Raumstrukturen für die Fotografie als sich selbst bespiegelndes Motiv. Eine Lösung nicht ganz ohne Text und Theorie, aber voller sinnlicher Momente und Entdeckungen. Seine Raum-Verschachtelungen stellen subtile Verbindungen zum Ausstellungsort und vorangegangenen Konzepten anderer her - Besuchern überlässt er das kreisende Schweifen über sein Wandinszenierungen, Reihen oder Anhäufungen analoger Schwarz-Weiß-Fotografie und ihren formalen Bezügen, die Marker zur Hängung der Schau als Anführungszeichnen einbeziehen.

Rekonstruktion
einer Poesie

Konzeptkünstler und Performer James Lee Byars ist 1997 verstorben und bei aller Prominenz sind von ihm meist nur noch Ephemera wie Zettel und Briefe übrig, um seine Installationen zu rekonstruieren. Sammler und Künstlerphilosoph Gerhard Johann Lischka aus Bern hatte mit dem Künstler einen Ideenaustausch in künstlerischen Briefen, der im Grafischen Kabinett unter dem Titel "Perfect Moments" präsentiert wird. Auf Karten, Servietten, Pflanzenblättern und in filigranen Faltungen aus besonderen Papieren schrieb er über Reisen wie Arbeiten; dabei auch kleine Goldblättchen mit der Prägung "Harry" von 1975 zu Harald Szeemanns legendärer Schau "Junggesellenmaschinen". Die Secession trifft Bern, Byars Ideen und Beethovenfotos, im Ganzen sehr poetisch.