Was einmal eine mit goldenen und bunten Fäden bestickte Wandbespannung aus einem spanischen Schloss war, ist heute die berühmteste Dreier-Gruppe geistlicher Messgewänder (Paramente) des Barock, typisch Wienerisch genannt: "Paperl-Ornat".

Die Paperln sind zwei in Blau und Rot gestickte Papageien am Rücken eines "Pluviale". Das ist ein nach Art der Mönche geformter Umhang mit Scheinkapuze, doch der wertvolle Stoff reichte auch für eine Kasel und ein Gewand der Messdiener mit der Bezeichnung "Dalmatik" nach ihrer spätantiken Formen-Herkunft aus Dalmatien.

Ganz nach alter Liturgie sind die Rückseiten der Paramente wertvoller gestaltet, da der Geistliche abgewendet von den Gläubigen vor dem Altar stand. Die kaiserliche Frömmigkeit gebot die Umarbeitung weltlicher textiler Kostbarkeiten in Messgewänder, so im Fall "Paperl-Ornat" durch Elisabeth Christine, die Gattin Kaiser Karls VI. Sie und ihre Tochter, Maria Theresia, gehören zu den Stifterinnen der Barockzeit, die in der Schau "Gottes Lob" das Zentrum bilden. Maria Theresia hat sogar den Prunkstoff, den ihr Gemahl, Franz I. Stephan von Lothringen, bei der Hochzeit trug, später in eine Kasel, den sogenannten "Mantelkleid-Ornat" umschneidern lassen. Nicht nur wertvolle Stickerei auf Gewebe, auch die Eheringe des Paares, wurden von den so gesehen sparsamen und auf ideelle Werte konzentrierten Habsburgern wieder verwendet. Doch die Ringe brachten dem späteren Erzherzog Rudolf und seiner belgischen Frau Stephanie nicht so viel Glück wie der Ehe der früheren Kaiserin.

"Wer stickt, sündigt nicht"

Zum 125-Jahr-Jubiläum des Kunsthistorischen Museums werden in der Geistlichen Schatzkammer auch zwei wertvolle Trauerkaseln mit auf schwarzem Grund applizierten Schnürchenarbeiten präsentiert, die wie drei andere Kaseln möglicherweise sogar mit den von der Kaiserin in ihrer Freizeit in Handarbeit hergestellten Seidenschnürchen bestückt sind.

Zwar gibt es von ihr selbst kein Gemälde bei dieser, zur Repräsentation der weiblichen Tugend vorgeschriebenen Gedulds-Arbeit, aber ihre Töchter wurden beim Sticken von Jean-Étienne Liotard porträtiert. Typisch für ihre kaiserliche Mutter soll der Spruch "Wer stickt, sündigt nicht!" gewesen sein. Maria Theresia ließ ihre Initialen oder kleine Metallplättchen mit Datum an die von ihr gestifteten Kaselränder anbringen, so können sie heute noch gut zugeschrieben werden innerhalb von über 1500 solcher Textil-Objekte der geistlichen Schatzkammer.

Nicht alles ist gestickt wie zu den Papageien manche Rose, Schwertlilie, Nelke, Kornähre oder Mohn, oft sind auch Perlen, Korallen, Bänder oder grüne Blätter aus Seidenstoff auf ein Goldgewebe aufgenäht. Der grüne Perser-Ornat, eine Dalmatik mit Mohn- und Kornblumen auf Gold, kombiniert mit grüner Atlasseide, verrät die außereuropäische Herkunft vieler wertvoller Seidenstickerei aus Vorderasien bis China, traditionell eine wichtige Handelsroute für Prunkgewebe in dieser Zeit. Ergänzt wird mit wertvollen Silberquasten für Dalmatiken, auch Bursen (Beuteln) oder Pallae (Tüchern), die über den Messkelch gelegt wurden.

Die Habsburger waren im Sinne der katholischen Gegenreformation sehr fromm, sie förderten auch Wallfahrtskirchen, vor allem Mariazell, stifteten dort Schmuck und liturgisches Gerät, und gründeten Bruderschaften für das "heilige Blut Christi" (Erzherzog Leopold Wilhelm) - so kommt ihre "Pietas" auch in Zusammenhang mit dem Kunstsammeln zum Tragen. In einer barocken Vitrine aus Zeit Karls VI. und einer geschwungenen neuen werden die barocken Messgewänder mit floralen und ornamentalen Stickereien, meist aus Frankreich oder Italien, zwei zeitgenössischen Paramenten der Künstler Christof Cremer und Stephan Hann gegenüber gestellt.