• vom 10.05.2016, 16:30 Uhr

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Update: 10.05.2016, 17:17 Uhr

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Komische Beule: Was ist da bloß in der Hosentasche? Tania Pérez Córdova weiß es. "Handhold 2" (Erde, Gras).

Komische Beule: Was ist da bloß in der Hosentasche? Tania Pérez Córdova weiß es. "Handhold 2" (Erde, Gras).© Galerie Martin Janda Komische Beule: Was ist da bloß in der Hosentasche? Tania Pérez Córdova weiß es. "Handhold 2" (Erde, Gras).© Galerie Martin Janda

Kriegen Steine einen Drehwurm?

(cai) Skulpturen aus Stein sind ja eher Bewegungsmuffel. Die stellt man wo ab und dann geben sie eine Ruh. Wenn man sie von allen Seiten betrachten will, muss man wohl oder übel um sie herummarschieren. Aber dass manche von denen auch tanzen können . . .

Information

Galerie Chobot
(Domgasse 6)
Peter Dörflinger, bis 28. Mai
Do., Fr.: 13 - 18 Uhr
Sa.. 11 - 15 Uhr

Galerie Martin Janda
(Eschenbachgasse 11)
Tania Pérez Córdova, bis 28. Mai
Di. - Fr.: 11 - 18 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr

Ich steh also mit der Dagmar Chobot in ihrer Galerie vor einer imposanten Kreatur, über 100 Kilo schwer, sieht aus wie ein noch unentdeckter Meeresbewohner (hat ein bissl was von einer Robbe), auf einmal gibt die Galeristin dem Ding aus einer anderen Welt einen Schupser und es dreht sich . . . he, wie beim Breakdance. Wenn einer diesen Powermove macht. (Einen Backspin.) Die a-, nein, besser biomorphen Skulpturen vom Peter Dörflinger (Lebensformen? Drehwürmer?) balancieren nämlich fast alle auf einem Punkt. Na ja, er hat eben nach der Höheren technischen Bundeslehranstalt für Tiefbau in Villach eine Lehre als Bootsbauer gemacht. Und sind Boote nicht unten ebenfalls etwas schlanker? Am Kiel? Nicht, dass der Bildhauer mit seinen perfekt austarierten, begnadeten Körpern, die auch abseits von ihrem Drehmoment was zu bieten haben, bei der "Großen Chance" im Fernsehen auftreten könnte, aber . . .

Marmor und Serpentin sind zumindest sehr gelenkig, formen geschmeidig kokette Höhlen. Und die akrobatischen Rundungen sind so streichelglatt, man kann gar nicht anders, als sie unsittlich zu berühren. Beim Holz ist’s ähnlich, bloß dass er da den erfahrenen Bootsbauer rauslässt und dieser die Figur nicht aus einem Trumm schnitzt, sondern aus Schichten zusammenleimt. Und wenn es im Winter zu kalt ist, um draußen zu arbeiten, wachsen seine komplexen Gebilde indoor aus Zündholzschachteln und Klopapierrollen und werden am Ende mit Papierstückerln überklebt. Lechz!

Viel Dose und ein bissl Hose

(cai) Es klingt wie das klassische Elefant-Kühlschrank-Problem, also wie eine Scherzfrage: Wie kriegt man 50 Bierdosen in einen Hosensack rein? Nämlich gleichzeitig. Alle auf einmal. Und nicht etwa nacheinander, weil das könnte ja jeder. (Ach, wenn die Hose viel Elasthan enthält und wennst das Bier vorher austrinkst . . .)

Tania Pérez Córdova macht das Kunststück einmal ohne Hose vor. Der Trick ist: Man muss die Dosen einschmelzen. Daheim in Mexiko hat sie gesehen, wie Männer daraus nachher Sportpokale gegossen haben. Sie selbst klemmt den handlichen Klumpen (sind das wirklich 50 Bierdosen?) lieber roh zwischen Fensterglas. Erinnert ein bissl an die Mücke im Bernstein. Steven Spielberg wird aber vermutlich trotzdem keinen Science-Fiction-Horrorfilm darüber drehen. ("Oktoberfest Park": Gentechniker extrahieren in ferner Zukunft aus den eingeschlossenen Bierdosen die DNS des Biertrinkers . . .)

Die Kleidungsstücke, die als Relief abgeformt worden sind und deren Taschen verdächtig ausgebeult sind, könnten nun tatsächlich 50 Bierdosen eingesteckt haben. Manche vielleicht nur 20. Diese Klumpen sind freilich aus Bronze. Wie die Aludose hat die Künstlerin offenbar auch die Bronzeskulptur auf ihr Material reduziert. Und sie regelrecht beerdigt. (Sie verweist dabei auf eine aztekische Statue, die zwecks Entschärfung, um nicht "gefährlich angebetet" zu werden, wieder eingebuddelt worden ist, und auf die Voodoo-Praktik, Dinge durch Eingraben "aufzuladen".) Die Reliefs bestehen jedenfalls aus echter Erde aus Oaxaca.

Pérez Córdova verarbeitet gern Alltagsbeobachtungen oder borgt sich was aus, um es für die Dauer der Ausstellung seiner Funktion zu berauben (eine SIM-Karte, zwei Klaviertasten . . .). Ihre Arbeiten wirken oft hermetisch und konzeptuell, und wenn man die Geschichten dahinter nicht kennt, fragt man sich mitunter: "Was soll das?" Dann ist das abstrakte, blasse Bild aus Staub, Zigarettenasche, Schießpulver und Make-up halt einfach geschminkter Dreck, na und? Doch sobald man weiß, dass das alles in einem Alptraum mitgespielt hat, denkt man plötzlich: "Wow! Wie in ,CSI: Mexico City‘. Die hat von ihrem Traum Spuren mit Klebefolie abgenommen und die gleich so an die Wand gepickt. Geil!"





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2016-05-10 16:35:06
Letzte Änderung am 2016-05-10 17:17:29



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