Erstmals seit 1909 in Wien: Therese Bloch-Bauer. - © Belvedere
Erstmals seit 1909 in Wien: Therese Bloch-Bauer. - © Belvedere

Der Mitbegründer der Wiener Secession, Max Kurzweil (1867 - 1916), hatte ein Leben wie in einem Roman der Jahrhundertwende. Als Sohn in eine großbürgerliche Fabrikantenfamilie geboren, studierte er neben der militärischen Ausbildung im Dragonerregiment Stockerau ab 1886 auch an der Akademie bei Christian Griepenkerl Malerei. 1892 ging er, wie Theodor Hörmann oder Josef Engelhart, zwei Jahre nach Paris an die Académie Julien, wurde Leutnant der Reserve und verbrachte die Sommer im bretonischen Concarneau, nahe Pont-Aven, als Freiluftmaler.

Das Belvedere widmet Kurzweil zum 100. Todestag nach 50 Jahren wieder eine Ausstellung und wartet dabei mit einem seit der Kunstschau 1909 erstmals in Wien wieder präsentierten wichtigen Frauenporträt des Künstlers auf. Es handelt sich um Therese Bauer, die Schwester der "goldenen" Adele Bloch-Bauer, die ihr Bildnis von 1907 in die Emigration mitnehmen konnte. Kurator Markus Fellinger lieh es nun aus kanadischem Privatbesitz der Nachfahren und vereinte es wie 1909 zum Triptychon mit den Kinderbildnissen ihrer beiden Nichten. Kurzweils Stärke sind neben impressionistisch sonnendurchfluteten Landschaften vor allem die Porträts, viele davon zeigen seine französische Frau Martha (Marthe Guyot), die er in Concarneau kennenlernte und die mit ihm in Wien nicht glücklich wurde.

Melancholisches Temperament

Kurzweils Stilmischung aus Stimmungsimpressionismus, der von japanischen Holzschnitten beeinflussten Flächendominanz der Secession und einer starken Brise Symbolismus verrät ein wenig sein gespaltenes und daher melancholisches Temperament. Ganz aktuell wandte er sich um 1915 in den letzten Lebensjahren in rätselhaften Frauenakten mit fehlenden oder nur angedeuteten Gesichtern dem Expressionismus zu; vielleicht ebenso wie der fünf Jahre ältere Gustav Klimt unter dem Einfluss Egon Schieles. Obwohl er vermögend war und daher nicht verkaufen musste, deshalb viele Bilder unvollendet ließ, und als Professor an der Wiener Kunstschule für Frauen umschwärmt wurde, endete sein Leben so tragisch wie sein Monumentalgemälde "Der Tod der Dryade" der 1. Secessionsausstellung 1898. Nach dem Militäreinsatz als Kriegsmaler in Montenegro und der Trennung von seiner Frau nahm er sich auf Heimaturlaub im Wiener Atelier mit seiner Geliebten und Schülerin Helene Heger am 9. Mai 1916 das Leben.

In die Welt verstreut

1918 wurde sein Nachlass in einem Auktionshaus in Wien versteigert und so in viele Länder zerstreut; bis heute befinden sich die meisten Bilder und Grafiken in Privatbesitz, Belvedere und Wien Museum besitzen aber zum Glück einige Hauptwerke; das großformatige Porträt seiner Frau Martha am Ufer in Pont-Aven um 1900 kommt aus der Kunstsammlung der Bank Austria und erinnert stark an den Natursymbolismus Fernand Khnopffs. Nach dieser Fokus-Schau soll auch das lange zurückliegende Werkverzeichnis im Belvedere eine Neuauflage bekommen, da viele großformatige Werke nur auf Listen verzeichnet, noch existieren sollten, und vielleicht zusammengeführt werden könnten. Die Qualität der Malerei Kurzweils, vor allem in seinen sehr modernen skizzenhaften Arbeiten, aber auch seine etwas dunkel bleibende Lebensgeschichte würden weitere Nachforschungen verdienen.