In Gustav Peichls Karikatur zeigt sich mit Eröffnung des modernen Museums 1962 das "Erwachen Österreichs". Tatsächlich hatten zwei visionäre Persönlichkeiten ab 1945 die Etablierung der Gegenwartskunst im konservativen Umfeld gegen viele Widerstände betrieben: Gründungsdirektor Werner Hofmann (1928-2013) und der kommunistische Kulturstadtrat Viktor Matejka (1901-1993). Unter dem teils aus der konkreten Poesie der Wiener Gruppe entlehnten Titel "Wir Wegbereiter. Pioniere der Nachkriegsmoderne" ist den so charismatischen wie dynamischen Förderern der Avantgarde eine wichtige Ausstellung über zwei Ebenen gewidmet.

Matejka versuchte, die in Emigration befindlichen Größen wie Oskar Kokoschka und Arnold Schönberg nach Wien zurückzuholen. Das Unterfangen gelang ihm nur mit dem Maler Georg Eisler. Er legte ein Archiv über die Kunstszene in Art Club und über die wenigen Galerien an, das er 1979 an den Nachnachfolger Hofmanns, Dieter Ronte, übergab; somit sind Folder und Zeitungsausschnitte aus rund 3000 Kuverts in 300 Mappen über die 1950er und 1960er Jahre als erstes Archiv des Mumok in Teilen sicht- und lesbar.

Kunstpolitik durch Ankäufe

Hofmann begann 1959 im Auftrag von Minister Heinrich Drimmel, noch vor Übernahme des Pavillons von Karl Schwanzer von der Expo in Brüssel 1958 als Museum, seine kluge Ankaufspolitik. Rund 300 Exponate sind in Art eines Schaulagers zu sehen. Hofmann sprach von Multimaterialität der Moderne und verfuhr nach Vorbild des MoMa in New York, kaufte in Paris, plante einen Skulpturengarten, integrierte Architektur, Film und Schallplatten. Es gelang ihm auch die große Lücke an Werken der klassischen Moderne neben vorzugsweise Gegenwartskunst einigermaßen zu schließen; einen Starkünstler wie Picasso konnte sich das Museum aber erst in den späten 1970ern durch Mäzen Peter Ludwig leisten.

1964 konnte Hofmann seine Ankaufpolitik auf der Biennale in Venedig neben prominenten Museen präsentieren: Er zeigte die Cobra-Gruppe, Josef Mikl, Skulpturen von Andreas Urteil und Rudolf Hoflehner. Die damals boomende Pop-Art holte er zwar als Schau ans Museum, aber kaufte sie nicht an, darum sind hier die wichtigsten Werke der Sammlungen Ludwig und Wolfgang Hahn im Zeitschnitt 1964 ergänzt.

Es ist spannend zu verfolgen, wie nachhaltig die beiden Pioniere bis heute nachwirken, auch wenn sich nicht alle ihrer Favoriten durchsetzten. Eine diagrammatische Auswertung des Matejka-Archivs von Informatiker Gerhard Dirmoser zeigt uns klar, wer damals dominierte, wie Ernst Fuchs oder Hans Staudacher, die Secession oder die Galerie Würthle mit Fritz Wotruba. Besonders spannend sind aber neben historischen Fotos die Briefe Hofmanns an Johannes Itten, Herbert Bayer oder Friedrich Kiesler - sie sollten bald ediert werden.