Venedig. "Orte für Menschen" hat die Österreich-Kommissärin der diesjährigen Architekturbiennale, Elke Delugan-Meissl, als Motto über Beitrag gestellt. Dazu hat sie drei Architekten-Teams eingeladen, gemeinsam mit der Caritas die Adaptierung von Flüchtlingsunterkünften zu realisieren. Ziel dieser Eingriffe war und ist es, die Zuständigkeit der Architektur für soziale Belange einer Überprüfung in der Realität zu unterziehen. Die Ergebnisse dieser Arbeit präsentierten Delugan-Meissl und ihr Kuratoren-Team bei der Eröffnung des Österreich-Pavillons am Donnerstag in Venedig.

Die schlichte Installation von Heimo Zobernig für die Kunstbiennale im Pavillon wurde beibehalten, die Präsentation der Projekte darin ist einfach und reduziert. 20 emotional starke Fotos aus den Wiener Häusern als Poster zur freien Entnahme und eine umfangreiche Dokumentation der Arbeiten werfen Blitzlichter auf die Projekte. In der Reaktion zur Lebendigkeit vor Ort bleib die Schau in Venedig doch sehr theoretisch.

Für Kulturminister Thomas Drozda war die Eröffnung der Pavillons der erste öffentliche Termin in seiner neuen Funktion. Er bedankte sich bei seinem ebenfalls angereisten Vorgänger Josef Ostermayer, der für die Bestellung der Kommissärin verantwortlich zeichnet. Drozda zeigte sich beeindruckt von den Projekten, die versuchen "mit Architektur Antworten auf aktuelle Fragen zu geben". Das sei in beispielloser Weise gelungen. "Selten war eine Auswahl derart am Puls der Zeit, und am Puls der Probleme der Zeit."

Kommissärin Delugan-Meissl nannte das Projekt eine Chance, sich in der Architektur aktuellen Fragestellungen zu widmen statt sich in Selbstdarstellung zu ergehen. Sie sieht ihren Beitrag als Verpflichtung der Zivilgesellschaft: "Wir wollten das Thema nicht diskutieren, sondern etwas beitragen." Caritas-Chef Landau, der für die Betreuung der Unterkünfte zuständig ist, prangerte an, dass es in der globaler werdenden Welt an der "Globalisierung des Verantwortungsbewusstseins" fehle. Ihm sei durch die Adaptierungen bewusst geworden, welche Rolle Architektur bei der Integration spielen könne. Doch das Projekt Zusammenleben bleibe für ihn unter diesen sich aktuell veränderten Umständen eines, bei dem es auf jeden einzelnen ankomme.

Die Biennale di Venezia, die 15. internationale Architekturausstellung, steht unter dem Titel "Reporting From The Front". Kuratiert wurde sie vom chilenischen Architekten und Pritzker-Preisträger Alejandro Aravena. Nach der Eröffnung (28. Mai) ist die Ausstellung bis 27. November zu sehen.