Brennpunkte und unterschiedliche Frontlinien

Neben der von Aravena kuratierten Ausstellung haben sich auch etliche der gut 60 teilnehmenden Länder auf das Generalmotto bezogen. Neben der traditionellen Leistungsschau des heimischen Schaffens, das immer noch viele Länder präsentieren, haben sich zahlreiche nationale Kuratoren an die eigenen Brennpunkte und Frontlinien begeben. Und diese Linien verlaufen höchst unterschiedlich: Geht es in Polen um fair entlohntes Bauen und in Korea oder Japan darum, wie man mit dem wenigen Platz in den Städten möglichst effektiv umgehen kann, so widmen sich viele europäische Länder den aktuellen Themen Flucht und Migration. Finnland etwa fragt nach den Bedürfnissen der Flüchtenden und den Bürden für bestehende Gesellschaften, Griechenland beschäftigt sich mit kooperativen Modellen der Architektur. Dass Australien sich hier mit Entwürfen für Swimmingpools beschäftigt und auch ein knietiefes Wasserbecken präsentiert, kann da schon beinahe als dekadent empfunden werden.

Neben dem österreichischen Beitrag, der die konkrete Adaptierung von drei Wiener Flüchtlingsunterkünften dokumentiert, ist der deutsche Pavillon sehr nahe am Thema der Stunde. Nicht nur, dass man den Pavillon baulich geöffnet und Mauern niedergerissen hat, die Schau "Making Heimat. Germany, Arrival Country" illustriert die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen sehr anschaulich. Wie sieht sie aus die "Arrival City", fragt man hier. Sie ist informell, bezahlbar, selbstgebaut und im Erdgeschoß. Obwohl die Präsentation als neutrale Dokumentation gestaltet ist, spiegelt sie doch eine klare Haltung wider. Auch hier zeigt sich, dass Architektur heute mehr mit sozialen Fragen zu tun hat denn je zuvor. Der neue Auftrag und die neue Rolle von Architektur jenseits prunkvoller Bauten? Einige Länder haben ihn bereits gefunden.