• vom 28.06.2016, 17:00 Uhr

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Update: 28.06.2016, 17:21 Uhr

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Liebeskummer? Martin Praskas "Dark Love". Sogar die Farbe weint mit. Falsche Tränen. Die sind bloß Illusionsmalerei.

Liebeskummer? Martin Praskas "Dark Love". Sogar die Farbe weint mit. Falsche Tränen. Die sind bloß Illusionsmalerei.© Martin Praska Liebeskummer? Martin Praskas "Dark Love". Sogar die Farbe weint mit. Falsche Tränen. Die sind bloß Illusionsmalerei.© Martin Praska

Die Bojen im See des Lebens

(cai) Keine Angst, vor den Bildern von Alexander Steinwendtner muss man sich nicht übergeben. Man wird nicht seekrank, wenn man sie länger anschaut. Obwohl es sich um Seestücke handelt. Gewissermaßen.

Das soll nicht heißen, diese Kunst würde fad dahinplätschern, aber das High-Tech-Material (Kevlar und Carbon) glitzert beschaulich wie eine ruhige Wasseroberfläche. Und der Keilrahmen schimmert durch wie das Skelett eines versunkenen Schiffs. In der Galerie Frey setzt ein Salzburger die Segel. Beziehungsweise schneidet er die interessantesten Stücke aus gebrauchten Segeln aus ("die waren alle schon mal auf dem Wasser"), komponiert daraus reduzierte, sehr grafische Collagen, die das faszinierende Material in seiner ganzen Sinnlichkeit zur Geltung bringen, und spannt diese wie klassische Malerei auf. Radiale Streifen werden zu Sonnenstrahlen. Und Symbole und alphanumerische Botschaften wecken Assoziationen, mit denen der Künstler den Betrachter allein lässt: "Ein Bild ist ja immer wie a Boje im See. Wenn der See das Leben ist." Versteh ich zwar nicht ganz, klingt aber mindestens so poetisch wie der Ausstellungstitel: "Der zweite Horizont." (Liegt der hinter dem ersten?) Und die Bootsklassenzeichen (die rote Axt steht für die Knickspant-Jolle "Pirat") treiben wie Bojen auf der Bildfläche.

Bald nach 9/11 hat Steinwendtner in einem Flagshipstore in New York (he: "ship") die Spitze eines Wildwasser-Regatta-Kajaks aufgehängt "wie eine fallende Bombe". Quasi entschärft, lehnt sich das Ding nun aus einer Galerie-Nische.

Ist er selber auch der Seemannsknotentyp? "Ich bin eher mit dem Motorrad unterwegs." Ach, dafür hat er beim dreifachen österreichischen Segel-Staatsmeister studiert. Bei Christian Ludwig Attersee.

Galerie Frey
(Gluckgasse 3)
Der zweite Horizont, bis 9. Juli
Mo. - Fr.: 11 - 18.30 Uhr
Sa.: 11 - 16 Uhr

Den sexistischen Feministen gibt es

(cai) Der Ausstellungstitel hört sich fast wie ein Vorwurf an: "Früher waren die Frauen weicher." Wann? Zur Zeit vom Rubens? Damals waren sie ja generell nachgiebiger. Weniger emanzipiert. Oh, ein Nachsatz: "Und die Kurven härter." Die der Frauen oder die bei der Formel 1? Und wer behauptet das überhaupt?

Aha, dieser Zuagraaste. Dieser eingewienerte Deutsche. Der Martin Praska. Der spielt halt gern mit der Political Correctness. Und was spielt er mit ihr? Mensch ärgere Dich nicht? Verstecken? (Tja, früher waren die Kunstkritikerinnen seriöser. Und die Witze lustiger.) Wer die Ironie nicht mitkriegt, hält ihn wahrscheinlich für einen Macho, der der guten alten Zeit nachtrauert und deshalb dauernd die Alten Meister zitiert. "Jupiter und Io" vom Correggio stellt er etwa auf der Couch nach (notgeiler Chefgott nähert sich Nymphe als Nebel). Nur dass sein Aktmodell einen Polster verzückt umarmt. Also doch Leda und der Schwan? Immerhin ist ein Kissen voller Federn. Nein, "bewölken" tut er die Io eh: mit plakativen Schablonenwolken. Sein Ich-scheiß-mich-nix-Stilmix eben. Bravourös und mit Humor mischt er feinen Realismus mit poppig Abstraktem. Und mit süßlichem Kitsch. Er steht nämlich total auf Nippes. Eine Porzellanbrünette posiert oscarreif mit diesem Schauspieler, dessen Name wie eine Kunstrichtung klingt: Bogart. (Bog-Art: Kunst, die man sich am Klo aufhängt? Weil "bog" = Slang für Scheißhaus.)

Aber sind die Bilder nicht sexistisch? Schließlich reduziert der Maler die Frauen auf ihr Äußeres (mit sabberndem Pinsel). "Was soll er anderes tun? Der kann ja ned auch die inneren Werte abbilden." Da hat der Praska recht. Er ist doch kein Labortechniker, der ein "Großes Blutbild" macht. Außerdem zieht er die sexy - schlanken - Ladys in ihrem eigenen Interesse aus. Haut zeigen ist Emanzipation. Na ja, zumindest in Afghanistan oder Saudi-Arabien.

Hm. Welcher Komiker hat in der Galerie Gans zu einem verklärten Porzellangesicht ("Gute Laune bei der Hausarbeit") den frauenfeindlichen Staubsauger an die Wand gelehnt? Der Zufall. (Schön böse.) Oberflächliche Kunst mit Tiefgang.

Galerie Gans
(Kirchberggasse 4)
Martin Praska, bis 2. Juli
Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr
Sa.: 12 - 15 Uhr





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-06-28 17:05:06
Letzte Änderung am 2016-06-28 17:21:59


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