Nicht ohne mein

drittes D

(cai) Raum - das ist doch dieses Ding mit den drei Dimensionen, das man nicht angreifen kann, oder? Na ja, den architektonischen Raum kann man schon anfassen. Zumindest die Wände davon. Beim physikalischen wird man sich vielleicht schwerer tun.

Laut Ausstellungstitel kann man hier "Raum erleben". Gut, das kann man bei einer Achterbahnfahrt auch. Aber da wirbelt man so rasant durchs sogar vierdimensionale Raum-Zeit-Kontinuum, dass man nicht viel vom 3D mitkriegt. In der Artmark Galerie geht man’s ruhiger an. Die zarten, transparenten Farben von Fritz Ruprechter, die sich dezent dynamisch übereinanderschieben, entspannen einen gleich einmal. Der Eingangsbereich wird zum Meditationsraum, in dem man sich trotzdem nicht in akuter Lebensgefahr befindet (nicht vor Langeweile stirbt). Der imposant minimalistische weiße Raum von Norio Kajiura ist dann eine Kultstätte zur kontemplativen Verehrung des Ma. Der Leere zwischen den Dingen. Des japanischen Weniger-ist-mehr. Intime, hohle Würfel. Gern zwängt sich der Blick durch die Sehschlitze und sucht die Mini-Stiegen. White Cubes im White Cube. Der Galerieraum wird ja oft als weißer Würfel definiert. (In meinen Messie-Haushalt muss ich unbedingt noch jede Menge Ma reinstopfen. Damit ich wieder mehr Platz habe.)

Franz Stefan Kohl, der von der Musik kommt (und die ist sowieso räumlich - mindestens), "bespielt" die Leinwand mit dem Streichinstrument Pinsel. Bringt Flächen exakt zum Schweben. Und Franz Riedl ist überhaupt ein Virtuose. Seine Zeichnungen bestehen aus Schnitten. Er schlitzt mit chirurgischer Präzision auf. Die "Papierreliefs" täuschen enorm viel Raum vor. Das Holzgitter (eine Installation) tut ebenfalls nur so, als wäre es wie ein Paravent gefaltet. Geil.

Artmark Galerie

(Singerstraße 17)

Raum erleben, bis 16. Juli

Do., Fr.: 13 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 15 Uhr

Der letzte

Dreck

(cai) Manche Menschen sind solche Schweindln. Die schmeißen ihren Mist einfach auf die Straße. Der Straßenkehrer wird’s schon aufklauben. Oder der Daniel Spoerri. Wobei: Letzterer hat den "Müll" eigentlich gekauft. Es ist nämlich nicht so, wie es aussieht.

Der Erfinder der "Eat Art" hat eine originelle Methode, um die Realität im Bild festzuhalten: alles ankleben. Bereits in den 60er Jahren hat er die Tafel nach dem Essen tatsächlich aufgehoben und kurzerhand an die Wand gehängt (mit allem, was drauf war). In der Galerie Krinzinger tischt er uns jetzt freilich Lügen auf. Aber nach einer wahren Begebenheit. Er war ja wirklich regelmäßig auf dem Flohmarkt. Aus dem, was bis zum Abend keiner kaufen wollte, hat er Vanitasstillleben gemacht. Düster (trotz der brennenden Lämpchen). Jedenfalls brutaler als jede postprandiale Depression (postprandial: nach einer Mahlzeit).

"Was bleibt": Endzeitliche Assemblagen. Wie Bodenproben nach einem Terroranschlag. Nur ohne Blut. Oder als wären die apokalyptischen Reiter über die Standln galoppiert. Die wie zufällig verstreuten "letzten Dinge" erzählen dramatische Geschichten (okay, es gibt auch ein kitschiges Blumenstillleben mit Plüschtieren). Total zerfetzte Schlittschuhe, der Eiffelturm ist hin, und in der Spielzeughölle werden Barbies gefoltert. Überall Scherben und Trophäen. Eindringlich und sehr authentisch. Der Spoerri hat die Handlung erschreckend wahr erfunden.

Galerie Krinzinger

(Seilerstätte 16)

Daniel Spoerri, bis 23. Juli

Di. - Fr.: 12 - 18 Uhr

Sa.: 11 - 16 Uhr